Monarchiebewegung: Amerikaner sind jetzt das Problem

2. August 2003, 16:04
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Haschemitischer Thronprätendent kritisiert Übergangsrat

Kairo - Der irakische Thronprätendent Sharif Ali bin Hussein, der bisher als pro-amerikanisch orientiert galt, hat das Vorgehen der US-Besatzungsmacht im Irak scharf kritisiert. Der 47-jährige Prinz, dessen "Bewegung der konstitutionellen Monarchie" dem "Irakischen Nationalkongress" (INC) angegliedert ist, sagte in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der arabischen Zeitung "Al Hayat": "Die Amerikaner sind in den Irak gekommen, um die Probleme des Landes zu lösen, und sind nun selbst zu einem Problem geworden". Die Monarchistenbewegung gehört zu den sechs irakischen Exil-Oppositionsgruppen, die bereits vor dem Krieg enge Kontakte zur US-Regierung hatten.

Der provisorische irakische "Regierungsrat" sei nicht gewählt, sondern von den Amerikanern eingesetzt worden, kritisierte Sharif Ali. Der Übergangsrat sei daher nicht in der Lage, unabhängig Entscheidungen zu treffen. "Vielleicht mussten die Amerikaner ja wirklich die Verantwortung für die Sicherheit, das Öl und die Außenpolitik übernehmen, doch wir lehnen es ab, dass sie auch für (die Bereiche) Gesundheit, Erziehung, Landwirtschaft und Bewässerung zuständig sind", fügte er hinzu.

Bei seinem jüngsten Besuch in der Schiiten-Hochburg Najaf habe er mit dem Ayatollah Ali Sistani auch die Frage erörtert, wie lange die Besatzungstruppen noch im Lande bleiben sollten. In Najaf war dem sunnitischen Thronanwärter ein begeisterter Empfang zuteil geworden. Hunderte forderten in der "heiligen Stadt" der Schiiten die Wiederherstellung der 1958 abgeschafften Monarchie. Sistani unterstrich anschließend in einer Erklärung die Notwendigkeit, "die nationale Souveränität des Irak auf dem Wege freier Wahlen wieder herzustellen."

Die irakischen Monarchisten sind gespalten: Neben Sharif Alis "Bewegung der konstitutionellen Monarchie" gibt es die "Royalistische Demokratische Allianz" des Prinzen Raad bin Zeid (67). Während Raad ein Cousin ersten Grades des vorletzten irakischen Königs Ghazi ist, der 1939 bei einem Autounfall ums Leben kam, kann Sharif Ali seine Zugehörigkeit zur früheren Herrscherdynastie nur über seine Mutter, Prinzessin Badiaa (ebenfalls eine Cousine Ghazis), ableiten, weshalb seine Ansprüche von den "Legitimisten" nicht anerkannt werden. Die irakische Königsfamilie ist ein Zweig der in Jordanien regierenden Haschemiten-Dynastie, die ihre Ursprünge auf Haschim, einen Ahnen des Propheten Mohammed, und auf Hassan, den Sohn der Prophetentochter Fatima zurückführt. Der letzte irakische König Faisal II. und seine nächsten Angehörigen wurden 1958 von Militärputschisten in Bagdad regelrecht abgeschlachtet. (APA/dpa)

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