"Bush wird scheitern wie Napoleon in Ägypten"

3. August 2003, 15:34
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Historiker Todd: "Der Irak ist für die USA das, was Afghanistan für die Sowjetunion war - der Anfang vom Ende" - Ökonomische Stärke "eine Fiktion"

Paris/Düsseldorf - Die Weltmacht USA trumpft nach Auffassung des französischen Historikers Emmanuel Todd nur zum Schein militärisch und politisch auf. "Militärisch haben die USA im Irak ähnliche Probleme wie die Russen in Afghanistan - oder wie Napoleon in Ägypten. Und politisch haben Sie den Fehler gemacht, strategisch wichtige Partner zu brüskieren", erklärte Todd, der bereits 1976 den Untergang der Sowjetunion vorhergesagt hatte, in einem Interview mit dem deutschen "Handelsblatt". "In Wahrheit ist der Irak für die USA das, was Afghanistan für die Sowjetunion war - der Anfang vom Ende."

"Heute zeigen die Amerikaner dieselben Symptome wie damals die Russen: Die Politik ist blind gegenüber den Realitäten, auch die Wirtschaft ist ideologisch verblendet. In den USA macht sich falsches Bewusstsein breit wie einst in der UdSSR", sagt der Autor des Bestsellers "Weltmacht USA - Ein Nachruf".

"Die Bilanzfälschungen bei Enron, Worldcom oder Andersen haben gezeigt, dass die Unfehlbarkeit der US-Wirtschaft ein Mythos ist. Doch auch ohne diese Skandale ist die ökonomische Stärke der USA eine Fiktion", so Emmanuel Todd, der im amerikanischen Handelsbilanzdefizit den Beweis dafür sieht, dass die USA wirtschaftlich abhängig geworden sind: "Die Amerikaner hängen nicht nur von Rohstoffen aus dem Nahen Osten ab, sondern auch von Industriegütern aus Japan oder Deutschland."

Was zähle, sei nicht der Irak, sondern die Wirtschaft, der Euro, die EU-Erweiterung: "Hat der Krieg im Irak die Polen und die Tschechen daran gehindert, der Europäischen Union beizutreten? Nein! Hat er den Euro geschwächt? Nein! Die Amerikaner müssen sich schwarz ärgern... Als die Sowjetunion zusammenbrach, schien Amerika allmächtig. Doch nun wird klar, dass das Ende des Kommunismus vor allem Europa zu gute kommt - es hat der EU hundert Millionen zusätzliche Konsumenten beschert. Aus US-Sicht ist das erschreckend. Deshalb versucht Präsident (George W.) Bush, Europa zu spalten", meint Todd, der sich selbst als "Post-Amerikaner" bezeichnen würde - als jemanden, der "den Glauben an die Weltmacht USA verloren hat." (APA)

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