Jörgometer: Von Mai bis Juni 2003

1. August 2003, 10:26
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montage: derStandard.at

30. Juni 2003

Wieder alles anders: Haupt und Haider dementierten in der ORF-Sendung "Offen gesagt" den Machtkampf um den Obmann-Posten. Haider meinte, er würde sofort als Parteiobmann zur Verfügung stehen, aber nicht gegen den Wunsch Haupts. Die Sache sei damit für ihn erledigt. Haupt bekräftigte, bis zum nächsten Parteitag im Oktober 2004 als FPÖ-Obmann zur Verfügung zu stehen. Haider meinte auf die Frage, ob er sich dies wünsche: "Selbstverständlich. Das heißt, dass wir einen sehr erfolgreichen Weg gehen". Haupt dementierte, mit dem Mobbing-Vorwurf Haider gemeint zu haben, vielmehr meinte er die Medien, die über seine Krankheit unterschiedlich berichteten und ihn zwängen, immer wieder seinen Gesundheitszustand zu veröffentlichen.

Die MitdiskutantInnen waren geschlossen der Meinung, dass das nicht das Ende vom Spiel war, sondern, dass Jörg Haider spätestens nach den verlorenen Wahlen von Oberösterreich und Tirol im September, einen Sonderparteitag fordern würde, um die Führung wieder zu übernehmen. Zumindest in den nächsten Tage könnte jedoch Ruhe eintreten, die Wieder-Da-Wahrscheinlichkeit sinkt deshalb.(rasch)

Wieder-Da-Wahrscheinlichkeit: 60 Prozent


29. Juni 2003

Schluss mit Lustig: Haider reagierte mit Verärgerung auf die Deutschlandsberger Abstimmung, die er als "groben Fehler" bezeichnete. Sein Angebot, wieder die Partei zu übernehmen, sei auf der Grundlage eines von Haupt selbst gemachten Angebotes erfolgt: "Ich habe aber immer gesagt, dass Haupt selbst darüber entscheiden muss." In Deutschlandsberg seien außerdem "wesentliche Landesgruppen" nicht befragt worden. Künftig will Haider die FPÖ-Politik noch mehr als bisher beeinflussen.

Haupt selber verteidigte sich gegen die Angriffe Haiders mit ungewohnt scharfen Worten in Richtung Süden: "Es ist keine Frage, ich bin mit Dr. Haider in vielen Dingen einer Meinung, aber von außen, im Sinne eines Mobbings, lasse ich mich nicht verdrängen." In einer Gesinnungsgemeinschaft könne es nur gemeinsam gehen, und man habe zu akzeptieren, was abgestimmt wurde. Man solle nicht glauben, man müsse die Partei neu gründen, nur weil man eine Niederlage erlitten habe.

Der offene Machtkampf ist endgültig eröffnet, "Knittelfeld zwei" rückt wieder näher.(rasch)

Wieder-Da-Wahrscheinlichkeit: 89 Prozent


28. Juni 2003

Aus Deutschlandsberg ist nicht Knittelfeld geworden: Haupt wurde in seiner Funktion als FPÖ-Obmann bei einer Vorstandsklausur in einer geheimen Abstimmung bestätigt. Der Vorstand habe zur Kenntnis genommen, dass er bis zum nächsten ordentlichen Parteitag als Obmann zur Verfügung stehe, so Haupt. Dieser dürfte im Juni 2004 stattfinden - also erst nach der Kärntner Landtagswahl.

Dem Vernehmen nach hatte es vier Gegenstimmen gegeben, wer diese waren, wurde nicht bekanntgegeben. Allerdings fehlten beim Gruppenfoto der Kärntner Landesobmann Martin Strutz und Wiens Vertreter Heinz-Christian Strache.

Haupt geht nun davon aus, dass er auch in Zukunft alleine die Führung der Freiheitlichen bestreiten wird. Es werde ihm kein geschäftsführender Obmann zur Seite gestellt, betonte er, und sprach sich somit gegen den Haider-Wunsch einer Doppelspitze aus.

Also: Punktesieg für Haupt. Jörg Haider - der bis Samstag Nachmittag zu keiner Stellungnahme bereit war - wird jedoch sicher nicht bis Juni 2004 Ruhe geben.(rasch)

Wieder-Da-Wahrscheinlichkeit: 60 Prozent


27. Juni 2003

Es hat den Anschein, als ob Haupt, der üblicherweise "in aller Klarheit" spricht, bereits resigniert: Der (Noch-)FP-Chef dementierte nämlich nicht mehr klar, dass Haider in Bälde Obmann sein werde. Er habe seine Entscheidung bereits getroffen, wolle diese aber erst bekannt geben, "wenn es mir am günstigsten erscheint". Er werde aber mit Sicherheit auch nach diesem Wochenende noch Parteichef sein, so Haupt.

Der Kärtner Landeshauptmann schiebt unterdessen die Verantwortung für den offenbar baldigen Wechsel auf Haupt selber. "Die Überlegung, an der Parteispitze eine Änderung herbeizuführen, ist von ihm und nicht von mir gekommen", so Haider, der Haupt überhaupt nicht drängen wolle. Die Entscheidung "was er wirklich will", läge bei Haupt: Entweder "die Partei allein führen oder eine Aufteilung Parteiobmann und Vizekanzler. Das ist allein seine persönliche Entscheidung". Haider bleibe auf jeden Fall Landeshauptmann von Kärnten, doch Kärnten werde in jedem Fall gewinnen, je mehr Einfluss er in Wien habe.(rasch)

Wieder-Da-Wahrscheinlichkeit: 98 Prozent


26. Juni 2003, 17.00 Uhr

Sollte FPÖ-Chef Herbert Haupt nicht dem Wunsch der freiheitlichen Landesobleute nachgeben und die Partei rasch an den Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider übergeben, droht ihm ein Aufstand der Parteibasis.

Einer der wichtigen Drahtzieher der "Knittelfelder-Revolution", der Fürstenfelder FP-Bezirkschef Harald Fischl, warnt ihn im Standard-Gespräch offen: "Haupt muss vorsichtig sein. Er soll die Partei nicht zu einer Notwehrreaktion zwingen. Faktum ist, dass es eine Vereinbarung zwischen Haupt und Haider gibt, dass die Partei an Haider übergeben wird. Und das soll so rasch als möglich geschehen. Je schneller desto besser." Folgt Haupt nicht, droht Fischl mit "Knittelfeld zwei".

Auch Haider selbst schraubte am Donnerstag Abend die "Wieder-Da-Wahrscheinlichkeit" erneut in die Höhe: Es sei Vizekanzler Herbert Haupt, der den Zeitpunkt des Wechsels an der Parteispitze der FPÖ zu Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider bestimme. Haider machte aber kein Hehl daraus, dass der neue FPÖ-Chef Haider heißen werde. Sein Rückzug aus der Bundes-FPÖ 2000 mit der Übergabe an eine neue Mannschaft habe sich im Nachhinein als "folgenschwerer Irrtum" herausgestellt. Nun hätte "das Stammpersonal" - hier nannte Haider neben Haupt und sich auch Infrastrukturminister Hubert Gorbach - dafür zu sorgen, "dass die Dinge wieder ins Lot kommen" und die FPÖ wieder ihre Kampfkraft erhalte, so Haider in der "ZiB 2".(rasch)

Wieder-Da-Wahrscheinlichkeit: 97 Prozent


26. Juni 2003, 13.00 Uhr

Haider bestätigt erneut, sich mit Vizekanzler Herbert Haupt über die Leitung der FPÖ einer Meinung zu sein. "Herbert Haupt und ich sind uns über die Führungsfrage einig. Ich bin der Meinung der Landesparteiobmänner, dass wir die Lasten auf mehrere Schultern verteilen sollten. Weil damit die großen Herausforderungen in der Regierung leichter zu bewältigen sind." Es hänge allerdings vom derzeitigen FP-Chef, Vizekanzler Herbert Haupt, "alleine ab", wann die Führungsfrage entschieden werde. "Er bestimmt den Zeitpunkt X", wird Haider im neuen "Format" zitiert.

Die Österreicher hätten gesehen, dass Haupt und er bei der Pensionsreform "Belastungen weggeräumt haben. Das hat den Wunsch in der Partei genährt, dass diese Art der Teamarbeit weitergeht", betont Haider.(rasch)

Wieder-Da-Wahrscheinlichkeit: 95 Prozent


25. Juni 2003

Die Haider-Sommerfestspiele scheinen eröffnet: Der Kärntner Landeshauptmann dementiert zwar die Gerüchte über eine Ablöse von Haupt am samstägigen FP-Treffen in Deutschlandsberg als "absoluten Humbug", gegenüber der Nachrichten-Illustrierten "News" kündigt er jedoch an, dass Ruder schon bald wieder übernehmen zu wollen. Die Parteibasis und die Landesobleute wünschten sich nämlich sein Comeback. Er wolle aber "keinen Druck auf Haupt" ausüben: "Wir haben uns in dieser Frage bereits auf einen Weg geeinigt. Der Vizekanzler definiert die nächsten Schritte", so Haider.

FP-Chef Herbert Haupt ist den aktuellen Gerüchten über einen bevorstehenden Wechsel entgegengetreten. Ein Obmann-Wechsel sei nur bei einem Parteitag möglich, am Rande des steirischen Landesparteitages am Samstag - für den der Wechsel kolportiert wurde - gebe es aber nur eine "interne Arbeitssitzung". "Deshalb stellen sich solche Fragen gar nicht."

Er und Haider seien immer "einen gemeinsamen Weg gegangen", so Haupt. Wenn es Änderungen an der Parteispitze gebe, werde er diese zu gegebenem Zeitpunkt vorstellen.(rasch)

Wieder-Da-Wahrscheinlichkeit: 95 Prozent


24. Juni 2003

Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider "greift Samstag nach der FPÖ-Führung". Das schreibt die "Kleine Zeitung" in ihrer Mittwoch-Ausgabe. Das "Jein" der FPÖ zur Pensionsreform im Bundesrat sei die Ouvertüre zur "Machtübernahme" Jörg Haiders gewesen. Die "Kleine Zeitung" habe aus FPÖ-Kreisen erfahren, dass Haider bereits am kommenden Samstag offiziell die Führung der Partei übernehmen wolle.

"Kein Wort wahr", sagte der Sprecher von Vizekanzler Herbert Haupt, Gerald Grosz, zu dem Gerücht. Für einen Obmann-Wechsel brauche es einen Bundesparteitag. Am Wochenende finde aber eine lang anberaumte "Organisationsklausur des FPÖ-Bundesvorstandes" im steirischen Deutschlandsberg statt.

Peter Westenthaler, Ex-Klubchef der FPÖ, sieht Parallelen zu seiner aktiven Zeit als FPÖ-Politiker: "Ein einziges Déjà-vu ... Da kochen dieselben Leute wie im Vorjahr ihr Süppchen gegen jene, die die Partei repräsentieren."

Wieder-Da-Wahrscheinlichkeit: 98 Prozent


22. Juni 2003

Haider will noch Bundeskanzler werden. In der "Presse" sagt der Kärntner Landeshauptmann, man werde sehen, wann sich "die Gelegenheit ergibt". Vizekanzler sei für ihn kein Thema. Als mittelfristige Strategie für die FPÖ will Haider die Partei wieder in die Nähe von 20 Prozent bringen. (rasch)

Wieder-Da-Wahrscheinlichkeit: 90 Prozent


22. Juni 2003

Infrastrukturminister Gorbach will sich in der Pressestunde hinsichtlich der künftigen Führung der FPÖ nicht festlegen. Es sei Angelegenheit von Parteichef Herbert Haupt und des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider, "allfällige personelle Veränderungen untereinander auszumachen". Gorbach verwehrte sich auch gegen Zurufe von außen, etwa vom Koalitionspartner ÖVP. Sollte Haider Vizekanzler werden sollen, müsste die ÖVP das akzeptieren. Sie könnte sehr wohl aber "reagieren", räumte er ein. (rasch)

Wieder-Da-Wahrscheinlichkeit: 85 Prozent


19. Juni 2003

In Teilen der ÖVP beginnt man sich offenbar damit abzufinden, dass ein Obmann-Wechsel zu Haider stattfinden könnte. Tirols Landeshauptmann Herwig van Staa im "Format": "Wen die FPÖ zu ihrem Obmann kürt, das ist allein die Entscheidung der FPÖ. Das können wir nicht beeinflussen". Ähnlich Budgetsprecher Günter Stummvoll: "Es gibt die Grundregeln, dass man sich in die Personalangelegenheiten des Partners nicht einmischt." Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer: "Wenn er Vizekanzler werden will bitte - aber ich kann mir das nicht vorstellen. Er ist immer noch der Gottseibeiuns der Innenpolitik". Van Staa wiederum würde Haider in der Regierung akzeptieren, sofern er den Koalitionspakt unterzeichnet.

Haider selbst nahm am "Hemma-Pilgerritt" teil und meinte: "Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, den Menschen geistige Orientierung zu geben und Gemeinschaftsbildung zu pflegen." (rasch)

Wieder-Da-Wahrscheinlichkeit: 85 Prozent


17. Juni 2003

Haider gegenüber "News": "Ein FP-Chef Haider ist aktueller denn je". Dies sei auch mit Vizekanzler Haupt abgesprochen: "Wir haben in dieser Frage bereits Einvernehmen erzielt." (rasch)

Wieder-Da-Wahrscheinlichkeit: 70 Prozent


15. Juni 2003

ÖVP-Gesundheits- und Frauenministerin Maria Rauch-Kallat: Sollte Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider an die Parteispitze zurückkehren, müsse man die Zusammenarbeit "überdenken". (rasch)

Wieder-Da-Wahrscheinlichkeit: 48 Prozent


2. Juni 2003

Haupt in der "Kleinen Zeitung": "Ja. Ich habe mich auch am letzten Parteitag der Verantwortung gestellt und bin nicht davon gelaufen wie andere vor mir an der Parteispitze. Und ich werde auch 2004 diese Verantwortung wieder wahrnehmen". (rasch)

Wieder-Da-Wahrscheinlichkeit: 70 Prozent


28. Mai 2003

Haider kehrt in den Koalitionsausschuss zurück. Gerüchte um Rückkehr an die FPÖ-Spitze verdichten sich. (rasch)

Wieder-Da-Wahrscheinlichkeit: 80 Prozent

Wird der Kärntner Landeshauptmann wieder FPÖ-Chef?

Das derStandard.at- "Jörgometer" gibt über die aktuelle Wahrscheinlichkeit der Rückkehr von Haider an die Spitze der Blauen Auskunft.




[Die Berechnung der Wahrscheinlichkeit nimmt derStandard.at/Politik vor. Die Formel dazu ändert sich je nach Koalitions- Wetterlage]
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