Mannheimer-Leben-Übernahme kostet bis zu 340 Millionen Euro

4. August 2003, 14:36
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Einige Versicherer wollen aus Auffanggesellschaft Protektor aussteigen - Sanierung dauert drei bis fünf Jahre

Frankfurt/Mannheim - In der deutschen Versicherungsbranche ist die Finanzkrise der Mannheimer Leben nach Angaben der Auffanggesellschaft Protektor bisher ein Einzelfall. "Wir sehen derzeit keinen Fall, der ähnlich gelagert ist", sagte Protektor-Vorstand Günter Bost Donnerstagabend in Frankfurt. Für die Rettung der Lebensversicherung müsse die Branche durch die extra dafür geschaffene Auffanglösung mit maximal 340 Mio. Euro aufkommen, erklärte Vorstandskollege Jose Ferrer. Insgesamt 103 Lebensversicherer haben sich an der Auffanglösung beteiligt und sind als Aktionäre in der Protektor Lebensversicherungs-AG vertreten.

Nach Informationen des "Handelsblatts" (Freitagausgabe) überlegen jedoch einige Versicherungsunternehmen aus der Auffanggesellschaft auszusteigen. Sie fühlen sich nach Angaben des Blattes getäuscht, da die Rettungsaktion offenbar teurer werde als angenommen.

Unterdeckung im Millionenhöhe

Die Unterdeckung der Mannheimer Leben beläuft sich nach Schätzungen der Auffanggesellschaft auf 215 bis 230 Mio. Euro. Diese Summe sei in ein verzinsliches Darlehen an die Holding umgewandelt worden, um deren Insolvenz zu verhindern. Dazu kommen den Angaben zufolge rund 143 Mio. Euro, die zur Zahlungsfähigkeit der Gesellschaft erforderlich seien.

Als "Sicherungsinstrument" sei es das Ziel der Protektor, eine Überschussbeteiligung zu erwirtschaften, die zu etwa 90 Prozent an die Versicherungsnehmer und zu 10 Prozent an die Aktionäre gehen solle, erklärte Ferrer. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats von Protektor, Maximilian Zimmerer, sagte, es müsse erwogen werden, ob Teile des Rests der Mannheimer verkauft werden. Die Auffanggesellschaft sei aber weder daran interessiert, die Mannheimer zu zerschlagen, noch sie zu erhalten. Protektor gehe rein nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten vor und wolle die Bestände sichern.

Mögliche Insolvenz verhindert

Die Mannheimer Holding, an der die österreichische UNIQA mit rund 13 Prozent beteiligt ist, hatte sich Mitte Juli mit der Auffanggesellschaft über die Zukunft seiner Lebensversicherungs-Tochter geeinigt und damit die mögliche Insolvenz verhindert. Demnach soll Protektor alle 345.000 Verträge der Mannheimer Leben mit einem Volumen von etwa 18 Mrd. Euro formell übernehmen. Das soll den Angaben zufolge bis Ende September geschehen sein. Die Kapitalanlagebestände der Mannheimer Leben zu sanieren, werde etwa drei bis fünf Jahre dauern, sagte Bost.

Mit dem ehemaligen Präsidenten der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben, Günter Himstedt, wird Protector mit kommendem Montag einen neuen Vorsitzenden bekommen. Er wird Günter Bost und Jose Ferrer ablösen und für eine Übergangsphase von zwei Jahren an der Spitze der Auffanggesellschaft stehen.(APA/dpa/Reuters)

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