Westukraine: Über Polen Anschluss an EU finden

1. August 2003, 14:21
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"Lemberg liegt im geografischen Zentrum Europas" - Grenzüberschreitende Kooperation in Handel und Tourismus

Lemberg - "Lemberg liegt im geografischen Zentrum Europas." Diese Feststellung machen die Regionalpolitiker der Westukraine zum Angelpunkt ihrer Bemühungen, das ehemalige k.u.k Gebiet an die EU heranzuführen. Mit dem Ausbau der Infrastruktur für Geschäfte und Fremdenverkehr in enger Anbindung an den Nachbarn Polen, der bald der Union angehören wird, soll dort wirtschaftlich umgesetzt werden, was in der Hauptstadt Kiew politisch noch nicht reif ist.

"Die Beziehungen zu Polen sind heute ausgezeichnet", versichern Behördenvertreter in Lemberg/Lwiw, das unter der polnischen Herrschaft in der Zwischenkriegszeit Lwow hieß. Vor den Auswirkungen des polnischen EU-Beitritts fürchte man sich nicht. An den entsprechenden neuen Ein- und Ausreiseformalitäten werde zügig gearbeitet, heisst es im Büro des Gouverneurs. Man versuche, schon im Vorfeld mögliche Probleme zu minimieren.

"Unser Ziel ist es, konkurrenzfähig zu sein"

Zugleich verweist man darauf, dass die polnische Seite "ebenfalls große Wirtschaftsinteressen bei uns hat". Die Vorteile würden die Nachteile überwiegen, auch wenn jenseits der neuen Schengen-Grenze dann das Geld aus Brüssel das Niveau heben und die Grenzübertritte nach dem neuen Visaregime vorerst drastisch sinken werden, meinen die Wirtschaftsplaner zuversichtlich. "Unser Ziel ist es, konkurrenzfähig zu sein." Die Bedingungen für neue Investitionen seien gut.

Das Business Support Center in Lemberg, das Regierungen und Geschäftsleute berät und eine Impact-Studie zu EU-Fragen erstellte, führt die niedrigen Produktionskosten in der Ukraine ins Treffen, gegenüber steigenden Lohnnebenkosten in den EU-Ländern. Die Ukraine partizipiert an den EU-Programmen Interreg (27. Mio Euro) und Tacis (10 Mio. Euro). Mit zwei angrenzenden polnischen Woiwodschaften bestehen direkte Kooperationen.

Fremdenverkehr beginnt beim Verkehr

Der Fremdenverkehr beginnt beim Verkehr, das wissen auch die Lemberger Gebietsväter. Seit dem Frühjahr gibt es in Kooperation von AUA und Ukrainian International Direktflüge Wien-Lwiw - nur eine Stunde Flugzeit! Doch dass das Straßennetz an Ort und Stelle schlecht ist, geben die Behördenvertreter von sich aus zu. Die Investitionen in Verbesserung und Ausbau des Verkehrsnetzes haben denn auch Priorität unter den Infrastrukturprojekten - ein Must für das Wirtschaftszentrum Lemberg wie für die umliegenden Kurorte.

Die Lemberger Tourismusbehörde setzt ebenfalls auf grenzüberschreitende Kooperation mit Polen. 54 Mitglieder beiderseits der Grenze umfasst der Dachverband der Reisebüros und verwandter Unternehmen. "Das reiche österreichische Erbe" aus der Donaumonarchie bildet einen Schwerpunkt im Programm und der polnische "Nostalgie-Tourismus" läuft gut an. Die Ukrainer beginnen auch zu reisen - vor allem in Wintersportgebiete.

Immer wieder wird in Lemberg auf den Ausbau des privaten Sektors hingewiesen. Auch hier diene die polnische Seite in vielem als Beispiel. "Wir wissen, dass noch ein längerer Weg vor uns liegt als wir bisher zurückgelegt haben", bekennt die Chefin des Business Support Center, Diana Konarijewa. (APA)

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