Atomstreit: Nordkorea droht wieder mit Scheitern multilateraler Gespräche

4. August 2003, 06:56
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Pjöngjang grundsätzlich zu Gesprächen Bereit aber fordert bilaterale Verhandlungen mit USA - Washington lehnte bisher ab - mit Kommentar

Moskau/Tokio/Seoul - Nordkorea hat am Freitag bestätigt, dass es multilaterale Verhandlungen über sein umstrittenes Atomprogramm führen möchte. Ein Sprecher des nordkoreanischen Außenministeriums sagte der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA in Pjöngjang, die Regierung akzeptiere sechsseitige Gespräche zur Beilegung des Atomstreits. Diese Verhandlungen sollten bilateralen Gesprächen mit den USA vorausgehen, erklärte er. Zuvor hatten Moskau und Seoul bekannt gegeben, dass Nordkorea zu diesem Schritt bereit sei.

An den multilateralen Verhandlungen sollen neben Nordkorea und den USA die Volksrepublik China, Südkorea, Japan, und Russland teilnehmen.

Am Samstag bereits droht Nordkorea wieder mit einem Scheitern geplanter Gespräche über sein Atomprogramm gedroht, sollten die USA den Streit vor den UNO-Sicherheitsrat bringen.

"Jede Bemühung, das Thema Atom im UNO-Sicherheitsrat zu diskutieren, kommt dem Auftakt zu einem Krieg nahe", erklärte die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA am Samstag. Entsprechende US-Pläne seien ein krimineller Akt, um alle Bemühungen Nordkoreas zum Dialog zu vereiteln.

Die USA hatten in den vergangenen Tagen ihren Ton gegenüber Nordkorea verschärft. US-Chefunterhändler John Bolton, der als Vertreter einer harten Linie gilt, nannte den nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Il einen tyrannischen Diktator. Der UNO-Sicherheitsrat müsse angemessene Maßnahmen ergreifen, um zu signalisieren, dass er die Krise ernst nehme, hatte Bolton gefordert.

Gespräche vermutlich in Peking

An den Verhandlungen sollen neben Nordkorea und den USA die Volksrepublik China, Südkorea, Japan, und Russland teilnehmen. Die Gespräche sollten vermutlich in Peking stattfinden, ein Zeitpunkt dafür wurde jedoch noch nicht genannt. Nordkorea hatte bisher stets auf bilaterale Verhandlungen mit den USA bestanden, Washington hat sich jedoch nur zu Verhandlungen auf multilateraler Ebene bereit erklärt. Die Gesprächsrunde in Peking im vergangenen April unter chinesischer Vermittlung war der erste Schritt zu einem Kompromiss, dem nun weitere folgen könnten.

Russland erwartet einen baldigen Beginn der multilateralen Verhandlungen. Einen genauen Zeitpunkt wollte Vize-Außenminister Juri Fedotow am Freitag noch nicht nennen. "Das Wichtigste ist, dass sich Nordkorea zu den multilateralen Verhandlungen entschlossen hat", sagte er. Erst am Vortag hatte der nordkoreanische Botschafter in Moskau die Bereitschaft Pjöngjangs zu Gesprächen über die "schwierige Lage" auf der koreanischen Halbinsel unter Einbeziehung Russlands erklärt.

Russland fordert Sicherheitsgarantien

"Russland begrüßt diesen konstruktiven Schritt der Führung Nordkoreas, der den Weg zur Lösung der komplizierten Situation unter Beteiligung der am meisten daran interessierten Parteien eröffnet", sagte Fedotow. Moskau erwartete von den Gesprächen "einerseits die Sicherung des nuklearfreien Status der koreanischen Halbinsel und die Wahrung des Abkommens über Nichtverbreitung von Atomwaffen". Auf der anderen Seite müssten "alle dort vertretenen Staaten" Sicherheitsgarantien abgeben.

USA und Japan begrüßen Nordkoreas Bereitschaft

Die USA und Japan haben Berichte begrüßt, wonach Nordkorea zu Gesprächen über sein Atomprogramm unter der Beteiligung von sechs Staaten bereit ist. "Wir nehmen die Berichte ernst, dass Nordkorea sich hin zu multilateralen Gesprächen bewegt", sagte Japans Vize-Außenminister Toshimitsu Motegi am Freitag nach Gesprächen mit dem US-Sondergesandten John Bolton in Tokio.

Der Atomstreit schwelt seit Oktober vergangenen Jahres. Damals hatte Nordkorea nach US-Angaben eingeräumt, entgegen einem Abkommen von 1994 sein Atomprogramm fortzusetzen. Die USA hatten Gesprächen mit Nordkorea und China zu zugestimmt, wenn diese anschließend in breitere Beratungen mündeten.(APA/AP/dpa)

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    US-Sondergesandter John Bolton begrüßte die Bereitschaft Norkoreas zu Sechser-Gesprächen.

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