Verbotene Wasser

1. August 2003, 00:46
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In der Stadt Salzburg laufen derzeit (mindestens) zwei Skandale: einer, der eigentlich keiner ist, aber als solcher gefeiert wird. Und einer, von dem keiner spricht, weil er heruntergeschluckt wird. Der uneigentliche Skandal betrifft jenen bogenförmigen Springbrunnen, bei dem den anständigen Leuten auf der Straße vor dem mächtig steilen Wasserhahn und seinem treffsicheren Strahl gegraust hat. Andererseits: Hätten sich die Plastilin-Künstler an Michelangelo und den Gliedmaßen seiner Skulpturen orientiert, wäre das mit dem Arc de Triomphe wohl eine eher seichte Tröpferlwirtschaft geworden.

Der eigentliche Skandal spielt sich im benachbarten Stiftskeller zu St. Peter ab. Von dort berichtet uns Leser Paul über ein ausgiebiges Mahl für fünf Personen zum Preis von mehr als 150 Euro, welches mit der Bitte eines der Gäste nach einem Glas Wasser endete. "Tut mir Leid", sprach die Kellnerin. "Normales Wasser darf ich keines ausschenken. Das ist eine Weisung vom Chef."

Liebe Gruppe Gelatin, stellt doch dem Chef dieses ehrwürdigen Hauses euren Penisspringbrunnen in den Schankraum. Dort ist er gut geschützt. Und die Gäste müssen nicht eigens die Toilette aufsuchen, um ordinäres Wasser zu kriegen. (Der Standard, Printausgabe 1.8.2003)

Von
Daniel Glattauer

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