Jordanien gewährt zwei Saddam-Töchtern Asyl

2. August 2003, 16:04
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Jordanischer Informationsminister: "USA waren informiert" - Tipp über Aufenhalt der Saddam-Söhne war 30 Millionen Dollar Belohung wert

Washington/Amann - Die Zuflucht für zwei Töchter des gestürzten irakischen Präsidenten Saddam Hussein in Jordanien wurde offenbar mit Billigung der USA arrangiert. Dies deutete der jordanische Informationsminister Nabil el Sharif am Donnerstag in einem CNN-Interview an. Alle beteiligten Parteien seien von der Aufnahme von Rana und Raghad in Amman informiert, sagte er auf die Frage, ob die USA nun nach den Irakerinnen suchen würden. Das jordanische Königshaus gilt als enger Verbündeter der USA im Nahen Osten.

Die beiden Töchter könnten möglicherweise Informationen über den Aufenthalt ihres Vaters haben, die für die Suche nach Saddam Hussein nützlich sind, wird in US-Medien spekuliert. Seit der Ermordung ihrer Ehemänner, die angeblich auf Geheiß von Saddam Hussein selber erfolgte, seien sie von ihrem Vater "entfremdet". Im Gegensatz zu den beiden Söhnen Saddam Husseins, Udai und Kusai, die als "Mittäter" betrachtet wurden, gelten die beiden Töchter als "Opfer" ihres Vaters. Auf Hinweise, die zur Ergreifung von Saddam Hussein führen, wurde von den USA eine Prämie von 25 Mill. Dollar (22,1 Mill. Euro) ausgesetzt.

Flucht über Syrien

Die beiden nach Jordanien geflüchteten Töchter des irakischen Ex-Präsidenten Saddam Hussein sind nach Angaben eines Verwandten aus Syrien eingereist. Die beiden Frauen seien am Donnerstag mit ihren neun Kindern an Bord eines jordanischen Flugzeugs angekommen, das aus Syrien abgeflogen sei, sagte der enge Verwandte der Nachrichtenagentur AFP. Raghad und Rana seien Ende April, rund zwei Wochen nach dem Einmarsch der US-Truppen in Bagdad, in das Nachbarland geflohen. Über den Verbleib ihrer Mutter Sajida konnte der Angehörige nichts sagen.

Jordanien hatte zuvor mitgeteilt, die beiden Töchter des irakischen Ex-Machthabers stünden "unter jordanischem Schutz". König Abdallah II. habe ihre Aufnahme "aus humanitären Gründen und wegen der schwierigen Lage in deren Heimatland" akzeptiert, sagte ein Regierungsvertreter.

Raghad und Rana hatten bereits im August 1995 in Jordanien Zuflucht gesucht. Sie waren ein Jahr später in Begleitung ihrer Ehemänner, Hussein Kamel Hassan und dessen Bruder Saddam Kamel Hassan, in den Irak zurückgekehrt. Die Männer wurden später zusammen mit einem Großteil ihrer Familie von Saddam Hussein in Bagdad wegen Verrats hingerichtet. Seitdem lebten die beiden Frauen zurückgezogen bei ihrer Mutter Sajida. Saddam Hussein hat noch eine dritte Tochter, Hala. Ihr Mann war nach dem Sturz Saddam Husseins von der US-Armee festgenommen worden.

Prämie für Informant

US-Außenminister Colin Powell hat unterdessen die Auszahlung der Belohnung jener insgesamt 30 Millionen Dollar (26,5 Millionen Euro) veranlasst, die für die Ergreifung der Söhne von Saddam Hussein ausgesetzt war. Wie Außenamtssprecher Richard Boucher mitteilte, ist es die höchste Belohnung, die jemals im Rahmen entsprechender US-Programme bezahlt wurde.

Bisher habe die Rekordsumme bei zwei Millionen Dollar gelegen, die für die Ergreifung des Pakistaners Ramsi Yussef bezahlt worden sei. Er wurde wegen der Verwicklung in den ersten Anschlag auf das World Trade Center im Jahr 1993 verurteilt. Am 3. Juli hatten die Vereinigten Staaten je 15 Millionen Dollar für Informationen über die beiden Söhne Udai und Kusai des Ex-Machthabers ausgesetzt. Auf Saddam Hussein sind bis zu 25 Millionen Dollar ausgesetzt - genauso viel wie auf El-Kaida-Chef Osama bin Laden.

Ob die Leichen von Udai und Kusai an ihre Familien ausgehändigt werden, solle der irakische Regierungsrat entscheiden, sagte unterdessen ein Vertreter der US-geführten Koalition in Bagdad. Bei den Besatzungsmächten seien bereits mehrere Anträge eingegangen, in denen eine Beerdigung von Udai und Kusai Hussein gefordert worden sei. Die beiden Schlüsselfiguren in der Regierung ihres Vaters wurden vergangene Woche getötet, als US-Truppen das Haus des lokalen Stammeschefs Nawaf Mohammed el Saidan in der nordirakischen Stadt Mosul (Mossul) angriffen. Vermutlich hatte El Saidan selbst die US-Truppen verständigt.

Die USA haben nach Angaben des Ex-Waffeninspektors und CIA-Spezialbeauftragten, David Kay, im Irak "solide" Beweise für die Existenz eines "aktiven" Waffenprogramms unter dem gestürzten Präsidenten Saddam Hussein gefunden. Es gebe jeden Tag Entdeckungen, sagte Kay am Donnerstag nach einer geheimen Anhörung im Kongress. Konkret werde man sich aber erst dann äußern, wenn es "zweifelsfreie, lückenlose Beweise" gebe. Aus US-Regierungskreisen verlautete jedoch gleichzeitig, Massenvernichtungswaffen seien auch vier Monate nach dem Sturz des Saddam-Regimes keine gefunden worden. (APA/AP/dpa/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Rana und Raghad in einer Archivaufnahme

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