Powell: Israelische Sperranlage droht Friedensplan zu untergraben

2. August 2003, 13:16
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Roadmap-Umsetzung wesentlich erschwert - Weitere Proteste gegen israelische Sperranlage

Washington/Jerusalem - US-Außenminister Colin Powell hat den Bau der israelischen Sperranlage im besetzten Westjordanland kritisiert. Die Fortsetzung der Bauarbeiten drohe den internationalen Friedens-Fahrplan (Roadmap) zu untergraben, sagte Powell in einem Interview mit der israelischen Tageszeitung "Maariv" (Freitag-Ausgabe). Die Umsetzung der nächsten Etappe des Plans könne dadurch "sehr schwierig" werden. Auch US-Präsident George W. Bush sei besorgt, weil die Mauer vollendete Tatsachen schaffe, was die Grenzen eines palästinensischen Saates angehe, fügte Powell hinzu.

US-Präsident Bush besorgt

Auch US-Präsident Bush sei besorgt, weil die Mauer vollendete Tatsachen schaffe, was die Grenzen eines palästinensischen Saates angehe, fügte Powell hinzu. Am Vortag hatte Israel den ersten Abschnitt der umstrittenen Befestigungsanlage fertig gestellt.

Die palästinensische Führung ersuchte unterdessen das so genannte Nahost-Quartett (USA, UNIO, EU und Russland), sich auf einer Dringlichkeitssitzung mit den Maßnahmen der Regierung von Premier Sharon zu befassen. Die israelischen Schritte seien eindeutig gegen den Friedensprozess gerichtet, erklärte der Sonderberater von Präsident Arafat, Nabil Abu Rudeina, am Freitag in Ramallah.

Demonstrationen

Dievon Israel errichtete Befestigungsanlage zur Isolierung der palästinensischen Gebiete sorgt weiter für Zündstoff. Rund 360 Demonstranten versuchten am Freitag bei Tulkarem im Westjordanland, einen Teil des Stacheldrahts abzumontieren. Die israelische Armee setzte daraufhin Gummigeschoße ein. Hunderte palästinensische Häftlinge in israelischen Gefängnissen begannen unterdessen einen Hungerstreik.

Bei den Protestierenden in Tulkarem handelte es sich um etwa 300 Palästinenser und 60 Sympathisanten aus dem Ausland. Die Internationale Solidaritätsbewegung, eine den Palästinensern nahe stehende Gruppe, teilte mit, bei den Zusammenstößen mit israelischen Sicherheitskräften seien elf Menschen verletzt worden, darunter acht Ausländer. Die Armee erklärte, die Soldaten hätten "nicht-tödliche Mittel zur Zerstreuung einer Menschenmenge" eingesetzt, um gewalttätige Demonstranten an der mutwilligen Beschädigung des Grenzzauns zu hindern.(APA)

  • Artikelbild
    foto: epa/pavel wolberg
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