Albanische Mafiavormacht

1. August 2003, 20:49
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Clans vom Balkan sind international noch gefürchteter als sizilianische Cosa Nostra Kollegen

Rom - In Italien sind die albanischen Mafiaclans aggressiver als die sizilianische Cosa Nostra geworden. Wie aus einer Studie der parlamentarischen Anti-Mafia-Kommission in Rom hervorgeht, hat die albanische Mafia den größten Stellenwert im internationalen Verbrechen erlangt. Vor allem im Rauschgifthandel sei die albanische Mafia wegen ihrer Kontakte mit den kolumbianischen "Narcos" in der Lage, den europäischen Markt mit enormen Mengen von Kokain und Heroin zu beliefern.

Die albanischen Clans seien vor allem in Bari verankert und haben starke Beziehungen zu italienischen Mafia-gruppen, hieß es in der Studie. Auch im Waffenhandel habe sich die wegen ihrer Blutrünstigkeit bekannte albanische Mafia spezialisiert.

Viele Verbindungen

Die sizilianische Cosa Nostra verliert auch zugunsten der Mafia der süditalieni- schen Region Kalabrien, der "'Ndrangheta", an Boden. Die kalabresischen Clans seien zur gefährlichsten italienischen Mafiaorganisation aufgerückt und zu einem Hauptproblem für den italienischen Staat geworden, hieß es im Bericht des italienischen Parlaments. "Das Herz und das Gehirn der 'Ndrangheta sind in der Heimatregion Kalabrien, doch die Organisation hat beste Verbindungen in Nord- und Südamerika, in Albanien, in der Türkei, in Nordafrika mit Armen nach Deutschland, Frankreich, Belgien, den Niederlanden bis nach Australien", liest man weiters in dem mehr als 600 Seiten umfassenden Dossier.

Ursprünge der Organisation

Der Kommission zufolge zählt die "'Ndrangheta" mehr als 5000 Mitglieder, in einer Region mit 576.000 Einwohnern. Die Ursprünge der Organisation reichen auf das 15. Jahrhundert zurück, als die Region von den Spaniern besetzt war. Eine entscheidende Rolle spielten die Frauen. Diese seien "total in das Familiengeschäft verwickelt". Sie seien für die Erpressung der Kaufleute und die Kassierung von Schmiergeldern zuständig. Sie sorgten für die logistische Vorbereitung krimineller Aktionen und unterstützen flüchtige Mitglieder der Organisation.

In den vergangenen Jahrzehnten sei die "'Ndrangheta" immer effizienter geworden, hieß es. Die enormen Einnahmen durch Prostitution und Drogenhandel werden in der Immobilienbranche gewaschen. Die kalabresische Mafia habe dank ihrer Gewalt an Macht über die Cosa Nostra und die Camorra in Neapel gewonnen. Die vierte heimische Mafiaorganisation, die in Süditalien regiert, ist die "Sacra Corona Unita" in der Region Apulien. (APA, DER STANDARD Printausgabe 1.8.2003)

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