Blix hält Bush und Blair nicht für Lügner

2. August 2003, 22:04
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"Beide waren von ihren Aussagen sehr überzeugt" - Ehemaliger UNO-Waffeninspektoren-Chef erhält Auszeichnung in Hannover

Hannover - Der ehemalige UNO-Chefinspektor Hans Blix hat sich differenziert zum Irak-Krieg der USA und ihrer Verbündeten geäußert. Aus heutiger Sicht gebe es "viele negative Faktoren und einige positive Faktoren" des Krieges, sagte Blix am Donnerstag (heute) in Hannover, wo er am Abend mit dem Leibniz-Ring des Presse Clubs Hannover geehrt werden sollte. Den Vorwurf der Lüge würde er jedoch US-Präsident George W. Bush und dem britischen Premierminister Tony Blair nicht machen. Beide seien von ihren Aussagen sehr überzeugt gewesen.

Dass im Irak nach dem Krieg keine Massenvernichtungswaffen gefunden worden seien, habe ihn nicht überrascht, betonte Blix. Als Chef der Waffeninspektoren habe er im vergangenen Jahr nie gesagt, der Irak habe solche Waffen. Man habe den Besitz von biologischer und chemischer Massenvernichtungswaffen lediglich nicht ausgeschlossen. Eine nukleare Bedrohung durch den Irak habe er allerdings immer für unwahrscheinlich gehalten. Sie habe auch nicht existiert. Ähnlich äußerte sich Blix auch in einem Gespräch mit dem Berliner "Tagesspiegel" (Vorausmeldung zur Freitagsausgabe).

Positive und negative Effekte des Krieges

Negativ an dem Krieg sei gewesen, dass die USA den UNO-Sicherheitsrat und den Willen der Mehrheit der UN-Mitglieder ignoriert hätten, sagte Blix. Negativ seien auch die Opfer an Menschenleben und die Zerstörungen, die der Krieg verursacht habe. Positive Elemente seien dagegen das Ende des brutalen Saddam-Regimes, die erneuten Bemühungen um Frieden im Nahen Osten und die Entwicklung des Irak zu einem freieren und demokratischeren Land.

Mit dem Leibniz-Ring-Hannover wird Blix nach Angaben des Presse Clubs für seinen "Einsatz und sein unabhängiges Streben für den Weltfrieden" sowie sein gesamtes Lebenswerk geehrt. Die Laudatio für den schwedischen Diplomaten wollten am Donnerstagabend in der Stadthalle von Hannover Schüler der Leibniz-Schule halten. Der seit 1997 vergebene Leibniz-Ring-Hannover ist nach dem Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz benannt und mit 15.000 Euro dotiert. (APA/AP/dpa)

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