Rätselraten um Struzls Vorwissen

1. August 2003, 19:35
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Laut Staatsanwalt hat der Voest-Chef im Zuge des Verfahrens sein Insiderwissen "ganz klar zugegeben" - Doch sein Rechtsanwalt dementiert

Wien - Die außerordentliche Voest-Aufsichtsratssitzung am 8. August, bei der Voest- Chef Franz Struzl die Vertrauensfrage stellen wird, dürfte spannend werden. Wie der zuständige Wiener Staatsanwalt Erich Müller dem STANDARD bestätigt, hatte Struzl im Zuge des Verfahrens um seinen privaten Kauf von Aktien der Voestalpine Eisenbahnsysteme (VAE) am 3. Juli 2002 sein Insiderwissen als Vorstandschef und damit Insiderhandel "ganz klar zugegeben".

Höchststrafe

Mit der Zahlung einer Geldbuße in Höhe von 50.000 Euro, was der Höchststrafe für Insiderhandel entspricht, hätte Struzl "sofort das Diversionsangebot" des Staatsanwaltes "angenommen". Die so genannte Diversion, der laut Ansicht von Experten eine "Schuldeinsicht" Struzls vorausgehen musste, dient dazu, dem ansonst zwingenden nächsten Verfahrensschritt einer Anklage zu entgehen.

Struzl war am Donnerstag nicht erreichbar. Sein Anwalt Christian Hausmaninger widersprach der Darstellung des Staatsanwaltes vehement. Sein Mandant Struzl habe weder irgendeine Schuld eingestanden, noch wäre Insiderhandel vorgelegen.

Keine Verwaltungsstrafe

Wie Struzl und Hausmaninger in einer Pressekonfernenz am 22. Juli darlegten, sei die Zahlung von 50.000 Euro auch für eine Verwaltungsstrafe wegen der Nichtanmeldung des Aktienkaufs bei der Finanzmarktaufsicht (FMA) gewesen. Faktum ist jedoch, wie die involvierten Behörden bestätigen: Eine Verwaltungsstrafe bei der FMA gab es für Struzl nicht, weil diese durch die "Geldbuße" an den Bund im Zuge der Diversion mit der Staatsanwaltschaft mit abgedeckt gewesen worden sei.

Schuldeingeständnis

Struzls Anwalt sagte laut APA vom 22. Juli auch, einer Diversion gehe kein Schuldbekenntnis voran. Der formal korrekte Ausdruck, bestätigte ein FMA-Mann, sei denn auch "Schuldeinsicht". Staatsanwalt Müller lies keinen Zweifel daran, dass eine solche bei Struzl gegeben war.

Information

Struzl selbst betonte am 22. Juli, er habe im Juli des Vorjahres 2800 VAE- Aktien auf Basis von Informationen erworben, "die jedermann bekannt" waren. Vor seinem Aktienorder am 3. Juli 2002, war die VAE Thema im Voest-Aufsichtsrat - just am Tag davor. Ein Kenner der Materie resümiert wohl vorschnell: "Es war schon lange kein Fall so klar wie dieser." (Michael Bachner, DER STANDARD Print-Ausgabe, 1.8.2003)

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    Voest-Chef Struzl soll den Deal "ganz klar zugegeben" haben.

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