Den Haag: Lebenslänglich für Stakic

1. August 2003, 20:35
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Bosnischer Serbe war Bürgermeister von Prijedor - Anklage lautete auf Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Belgrad/Den Haag - Der bosnische Serbe Milomir Stakic ist vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag am Donnerstag zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Als Bürgermeister von Prijedor und Leiter des bosnisch-serbischen Kriegsstabes war Stakic, ein ehemaliger Spitzenpolitiker der Serbischen Demokratischen Partei (SDS) von Radovan Karadzic, angeklagt worden, sich zwischen dem April und Oktober 1992 des Völkermordes, der Verbrechen gegen die Menschlichkeit und der Verletzung der Kriegsregeln schuldig gemacht zu haben.

Schuldig der Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Stakic war am 23. März 2000 in Belgrad festgenommen und an das UNO-Tribunal überstellt worden. Der Prozess vor dem Haager Tribunal hatte im April des Vorjahres begonnen und war nach 150 Verhandlungstagen am 30. April dieses Jahres abgeschlossen worden. Der zuständige Tribunalssenat unter Vorsitz des deutschen Richters Wolfgang Schomburg hat entschieden, dass sich Stakic nicht des Völkermordes oder der Beihilfe am Völkermord schuldig gemacht hatte. Das Urteil lautete deshalb auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Verletzung der Kriegsregeln. Gemäß dem Urteil wird Stakic erst nach Ablauf von 20 Jahren ab seiner Festnahme den Antrag auf bedingte Freilassung stellen dürfen.

Stakic, der Arzt vom Beruf ist, ist einer der ersten Politiker seit dem Zweiten Weltkrieg gewesen, der des Völkermordes angeklagt worden war. Im Jahre 1992 hatten auf dem Gebiet von Prijedor drei bosnisch-serbische KZ-Lager - Omarska, Keraterm und Trnopolje - existiert, in denen mehrere hundert Bosniaken und Kroaten misshandelt und ermordet worden waren. Auf dem Gebiet der ostbosnischen Stadt waren im Laufe des Bosnien-Krieges rund 1.500 Bosniaken und Kroaten ermordet worden, wobei bisher nur die Leichname von 486 Opfern identifiziert worden sind. Aus der Region wurden mindestens 20.000 Nichtserben vertrieben.

Die 1998 erhobene Anklage hatte sich ursprünglich auch auf zwei weitere lokale Serbenführer - Milan Kovacevic und Simo Drljaca - bezogen. Kovacevic war im Tribunalsgefängnis gestorben, Drljaca war beim einem Festnahmeversuch internationaler Friedenstruppen in Bosnien ums Leben gekommen. (APA)

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    Milomir Stakic

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