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5. August 2003, 10:33
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Studie: Internetdomains sind im EU-Vergleich zu teuer - ".de"-Preise um ein Vielfaches billiger - Kritik an Adressen-Verwalter nic.at

Wien - Österreichische Internetadressen sind im EU-Vergleich sehr teuer. Dies geht aus einer Studie des Instituts für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Technischen Universität Wien hervor, die im Auftrag des Webhosters domainfactory erstellt wurde. Die Domainpreise müssten deshalb in Österreich gesenkt werden, forderte domainfactory-Geschäftsführer Oliver Marburg am Donnerstag vor Journalisten.

Eine ".at"-Domain kostet laut einer Erhebung der Internet Privatstiftung Austria in den ersten fünf Jahren 86,4 Euro, Österreich liegt damit im Ranking der teuersten Homepages damit an dritter Stelle, hinter Schweden (137,14 Euro) und Norwegen (87,78 Euro). Billiger als in Österreich ist das Betreiben einer Homepage in Frankreich (75 Euro), Belgien (50 Euro), Niederlande (30 bis 40 Euro), Italien (27,01 Euro), Ungarn (21 Euro), Deutschland (20 Euro) und Großbritannien (19,4 Euro).

Erhebliche Unterschiede

Besonders eklatant sind die Preisunterschiede laut Studie im Vergleich zu Deutschland: Die Registrierung einer ".de"-Domain kostet im ersten Jahr 5 Euro, jene einer ".at"-Domain zwischen 30 und 60 Euro. In den Folgejahren kostet eine ".de"-Domain rund 3 Euro, eine ".at"-Domain 15 bis 30 Euro. Auf 1.000 Einwohner kommen in Deutschland 76 ".de"-Domains, in Österreich hingegen nur 34 ".at"-Domains.

".at"-Domains werden in Österreich von nic.at Internet Verwaltungs- und BetriebsgesmbH vergeben und von der Admin Verwaltungs- und BetriebsgesmbH administriert. Beides sind 100-Prozent-Töchter der Internet Privatstiftung Austria, deren Stifter sind die Universität Wien und der Verein der Internet Service Providers Austria (ISPA). nic.at und Admin würden Millionengewinne schreiben und über hohe Rücklagen verfügen, so Marburg. nic.at habe per Ende 2001 einen Bilanzgewinn von 384.000 Euro erzielt, die Admin GmbH per Juni 2002 einen Gewinn von 1,32 Mio. Euro.

Sechs Millionen Umsatz

Den Umsatz aus den Domaineinnahmen schätzt Marburg auf rund 6 Mio. Euro pro Jahr: "Dieses Vermögen stammt aus dem Geld der Österreicher, die kaum eine andere Wahl haben, als beim Monopolisten nic.at zu überteuerten Preisen einzukaufen". Bei nic.at wäre eine Preissenkung alleine aus dem Bilanzgewinn um knapp ein Drittel möglich, ohne das Barvermögen anzutasten, meint Marburg, der außerdem eine Offenlegung der Ausschüttungen der Internet Privatstiftung Österreich fordert. Begünstigt seien laut Stiftungsurkunden die ISPA, die Universität Wien und "natürliche und juridische Personen, die sich besondere Verdienste für die Entwicklung des Internet in Österreich erwerben". Die Privatstiftung sei aufgefordert, ihrem Stiftungszweck nachzukommen und die Preise zu senken, so Marburg.

Domainfactory verwaltet 75.000 Internetadressen in Deutschland und Österreich und erwirtschafte 2002 mit 20 Mitarbeitern einen Umsatz von 2,2 Mio. Euro. (APA)

  • Artikelbild
    grafik: derstandard.at
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