Deutschland darf auf bessere Zeiten hoffen

3. August 2003, 19:16
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Besseres Neugeschäft der Industrie und Umsatzplus im Einzelhandel

Berlin - Ein besseres Neugeschäft der Industrie und ein Umsatzplus im Einzelhandel haben die Hoffnung auf eine baldige Erholung der deutschen Wirtschaft genährt. Experten warnten aber vor verfrühter Euphorie über das zarte Aufschwungspflänzchen.

Der am Freitag veröffentlichte Reuters-Einkaufsmanagerindex (EMI) für Juli untermauerte für Analysten mit dem unerwartet kräftigen Anstieg auf 48,1 von 45,6 Punkten die jüngste Botschaft anderer Indikatoren: "Wir stehen am Anfang eines Aufschwungs, sind aber noch nicht mittendrin", sagte Andreas Rees von der HypoVereinsbank. Das reale Umsatzplus des Einzelhandels im Juni von 1,9 Prozent zum Mai passt Experten zufolge ebenfalls zum Bild, das Umfragen über die wachsende Zuversicht bei Verbrauchern und Händlern gezeichnet haben, ohne aber einen Konsumrausch einzuläuten.

Das britische Forschungsinstitut NTC, das den EMI ermittelt, verwies darauf, dass sich das Umfeld für die deutsche Wirtschaft verbessere. So verlangsamte sich in der Euro-Zone die Talfahrt der Industrie: Der EMI für das Währungsgebiet stieg unerwartet stark auf 48,0 (Juni 46,5) Punkte. Die deutsche Wirtschaft könnte sich insgesamt im Juli endlich aus der Rezession befreit haben, sagte NTC-Chef Mike Waterson.

"Schwacher Anfang"

In dieser Woche zeigten Umfragen unter Unternehmen wie der Ifo-Geschäftsklimaindex und unter Verbrauchern wie der GfK-Konsumklima-Indikator zunehmenden Optimismus. Seitdem wächst die Zahl derer, die ein baldiges Ende der seit drei Jahren dauernden wirtschaftlichen Stagnation in Deutschland vorhersagen. Gleichzeitig werden aber Stimmen lauter, die vor zu großen Hoffnungen warnen und auf fehlende Belege wirtschaftlicher Dynamik verweisen. "Wir werden nur den schwachen Anfang eines Aufschwungs erleben", sagte der Konjunkturexperte des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Volker Treier, in einem Zeitungsinterview. Auch Rees schränkte ein: "Das wird nichts nachhaltiges."

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hat unlängst darauf verwiesen, dass von den erwarteten 1,8 Prozent Wirtschaftswachstum 2004 fast die Hälfte auf das Konto zusätzlicher Arbeitstage und des geplanten Vorziehens der dritten Steuerreformstufe gingen. Die konjunkturelle Dynamik bleibe schwach. Für 2003 haben Ökonomen das Thema Wachstum bereits abgeschrieben, Pessimisten wie das RWI rechnen sogar mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung.

Konsum etwas angekurbelt

Immerhin sorgte die Aussicht auf sinkende Steuern bei den Deutschen zuletzt für bessere Laune und ließ sie mehr Geld ausgeben. "Wir haben im Juni eine leichte Belebung im Einzelhandel gespürt", sagte der Sprecher des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE), Hubertus Pellengahr. Der Juli dürfte aber wieder schwächer werden. "Der Einzelhandel dümpelt also weiter vor sich hin." Volkswirte wie Händler hoffen auf den Rest des Jahres. Manuela Preuschl von der Deutschen Bank sieht derzeit noch keine Trendwende beim Konsum aber "die begründete Hoffnung, dass das zweite Halbjahr für den Einzelhandel etwas besser laufen wird."

Auch wenn der Reuters-EMI noch immer rückläufige Geschäfte in der Industrie signalisiert, machten vor allem die volleren Auftragsbücher Hoffnung auf bessere Zeiten. Die Bestellungen führten die befragten Industrie-Manager NTC zufolge auf eine vorsichtige Lageraufstockung ihrer Kunden und erste Anzeichen einer Stimmungsaufhellung in einigen Auslandsmärkten zurück. Insgesamt sei der Auftragsanstieg jedoch verhalten ausgefallen, und es fehlten auch wegen des starken Euro weiter Impulse vom Exportsektor.

Lichtblicke lieferte auch die europäische Industrie. So erreichte der Produktionsindex des Reuters-EMI für die Euro-Zone im Juli fast die Wachstumsschwelle von 50 Punkten. In Österreich, Griechenland, Spanien sowie den Niederlanden stellte die Branche sogar mehr her als im Juni. Auch aus dem wichtigsten deutschen Exportziel außerhalb des Währungsgebiets, den USA, kamen zuletzt ermutigende Signale: Dort war die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal überraschend stark gestiegen. (APA/Reuters)

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