HypoVereinsbank: Licht am Ende des Tunnels

3. August 2003, 20:38
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Wieder steigender Betriebsgewinn, allerdings Nettoverlust im Halbjahr - Geldregen aus Österreich und Osteuropa

München - Mit dem Abbau riskanter Kredite und Stellenstreichungen ist die bayerische HypoVereinsbank (HVB), Mutter der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA), im ersten Halbjahr 2003 zumindest operativ wieder deutlich in die Gewinnzone zurück gekehrt. Deutschlands zweitgrößte Bank präsentierte am Donnerstag ein Betriebsergebnis von 238 Mio. Euro, nach einem Verlust von 413 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Die Wende habe sich im zweiten Quartal bestätigt. "Wir liegen gut im Plan", sagte Vorstandschef Dieter Rampl und bekräftigte die Jahresprognose.

Nach Abschreibungen und Steuern schreibt die Münchener Großbank aber weiter rote Zahlen: In den ersten sechs Monaten fiel ein Nettoverlust von 144 Mio. Euro an, nach einem Gewinn von 53 Mio. Euro im Zeitraum Jänner bis Juni 2002. Im Gesamtjahr strebt die HVB ein Betriebsergebnis von 300 bis 600 Mio. Euro und als Netto-Ergebnis eine "schwarze Null" an. Die Erlöse aus den Beteiligungsverkäufen kämen als "Sahnehäubchen" noch oben drauf.

Der operative Turnaround habe sich im zweiten Quartal fortgesetzt, teilte die Bank am Donnerstag mit. Das Handelsergebnis legte leicht zu, die Verwaltungskosten wurden weiter gedrückt. Bis Juli wurden fast 2.200 Arbeitsplätze gestrichen, weitere 2.000 sollen bis Jahresende folgen. Das Betriebsergebnis legte im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 14,4 Prozent von 111 auf 127 Mio. Euro zu, das Ergebnis vor Steuern wurde von 24 auf 53 Mio. Euro mehr als verdoppelt.

Österreich/Osteuropa positiv

Weiter positiv lief es im Geschäftsfeld Österreich/Osteuropa, das im Halbjahr mit 194 Mio. Euro den Löwenanteil zum Konzern-Betriebsergebnis von 238 Mio. Euro beisteuerte. Vom Vorsteuerergebnis von 77 Mio. Euro entfielen 158 Mio. Euro auf das Geschäftsfeld Österreich/CEE.

Der über einen Börsegang erfolgte Teilverkauf der BA-CA für rund eine Milliarde Euro und der Verkauf der Nürnberger Norisbank für 450 Mio. Euro ist in den Zahlen noch nicht berücksichtigt. Bisher hat die HVB rund 1,4 Mrd. Euro erlöst. Weil dies allerdings noch klar unter dem bis Jahresende festgelegten Ziel von 1,7 Mrd. Euro liegt, stehen nach den Worten eines Sprechers weiter alle HVB-Beteiligungen auf dem Prüfstand. Dies gelte für den Online-Broker DAB Bank ebenso wie für die Minderheitsanteile an der Allianz und der Münchener Rück. Der Mehrheitsanteil an Brau und Brunnen soll möglichst bis Jahresende abgegeben werden. Wie die HVB ankündigte, werde der Verkauf nicht-strategischer Beteiligungen in den kommenden Monaten weiter forciert.

Durch die Integration der Vereins- und Westbank, die auf den Konzern verschmolzen werden soll, rechnet die HVB mittelfristig mit Synergien von 70 bis 100 Mio. Euro pro Jahr. Den Maßnahmen könnten etwa 500 der rund 4.500 Stellen zum Opfer fallen.

Die Risikoaktiva wurden im Halbjahr um 18,9 Mrd. Euro auf 467 Mrd. Euro verringert. Bis zum Jahresende strebt die HVB eine Reduktion von 100 Mrd. Euro an. Davon soll die Abspaltung der gewerblichen Immobilienfinanzierung in eine eigene Hypo-Real-Estate-Holding im Herbst 57 Mrd. Euro beitragen.

20 Prozent weniger Kreditrisiko-Vorsorge

Für Kreditrisiko-Vorsorge musste die HVB im ersten Halbjahr nur noch 1,522 Mrd. Euro oder 20 Prozent weniger aufwenden als in der gleichen Vorjahresperiode. In den vergangenen Quartalen hatten der HVB vor allem hohe Vorsorgen für Problemkredite zu schaffen gemacht. Sie hat das dickste Kreditbuch aller Banken in Europa und bekam die Pleitewelle so besonders stark zu spüren. Im zweiten Quartal sank die Risikovorsorge von 949 auf 760 Mio. Euro. Für das Gesamtjahr sei ein Niveau von 3,046 Mrd. Euro angestrebt.

Der Abbau von Krediten drückte im ersten Halbjahr 2003 allerdings auch die wichtigste Ertragssäule, den Zinsüberschuss, um 3 Prozent. Auch der Provisionsüberschuss sank wegen schwacher Wertpapier- und Depotgeschäfte um 4,5 Prozent. Nur der kleinste Posten, das Handelsergebnis, legte um 12 Prozent zu. Insgesamt schrumpften die operativen Erträge um 3 Prozent. Die Verwaltungskosten wurden um 11 Prozent gesenkt.

Mit den Verkäufen und dem Abbau der Kredite will die HypoVereinsbank ihre Kernkapitalquote bis zum Jahresende wieder auf ein akzeptables Maß von 7,0 Prozent anheben. Je schlechter die Quote, desto mehr Geld muss die Bank für ihre eigenen Kredite bei anderen zahlen. Inklusive der Erlöse aus dem BA-CA-IPO und dem Verkauf der Norisbank sei sie bis heute bereits von 5,6 auf über 6,2 Prozent verbessert worden, hieß es aus Bankkreisen.

Analyten enttäuscht

Der Netto-Verlust von 144 Mio. Euro im ersten Halbjahr enttäuschte viele Analysten. Die HVB erklärte dies vor allem mit dem starken Anstieg der Steuerlast. Die HVB-Aktie notierte im bisherigen Handelsverlauf mit 15,73 Euro unverändert zum Vortag, während der Frankfurter DAX leicht nachgab.

"Die Zahlen der HVB sind nicht so erbauend", sagte Analyst Fabian Brunner von der LBBW. "Operativ sieht es nach wie vor eher durchwachsen aus." Die HVB werde zwar ihre angeschlagene Kapitalbasis stärken können, aber kurzfristig keinesfalls auf Augenhöhe mit europäischen Wettbewerbern kommen. "Große Sprünge" werde die Bank auch im laufenden dritten Quartal nicht machen.

Um vernünftige Profite zu erzielen, müsse die HVB ihre Risikovorsorge unter 3 Mrd. Euro drücken, ergänzte Garth Leder, Analyst bei der Londoner Investmentbank Fox-Pitt, Kelton. Dies sei angesichts der Qualität der Kredite in den HVB-Büchern und des wirtschaftlichen Umfelds aber eine Herausforderung. (APA/AP/Reuters)

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