Neuer Hepatitis-C-Impfstoff an Grazer Uniklinik im Test

6. August 2003, 11:44
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Von Wiener Forschern entwickelt - Immunsystem lernt, virusbefallene Leberzellen abzutöten

Graz - Neue Chancen im Kampf gegen die weit verbreitete Infektionskrankheit Hepatitis-C könnten sich mit Hilfe österreichische Wissenschaftler auftun: an der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie an der Grazer Medizinischen Uniklinik wird ein neuer Impfstoff getestet, der von Wiener Forschern entwickelt wurde. Konkrete Ergebnisse der aktuellen Studie seien bis Jahresende zu erwarten.

Weltweit sind nach Schätzungen mehrere Millionen Menschen mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert, in Österreich rechnet man mit 250.000 Betroffenen. Unbehandelt kann diese gefährliche Infektionskrankheit, die die Leber angreift, zu Leberzirrhose und Leberkrebs führen. So sind alleine in Österreich an die 900 Todesfälle jährlich auf die Folgen einer chronischen Infektion zurückzuführen.

Heilungsraten bis 80 Prozent

Standardtherapie ist heute eine Kombinationsbehandlung mit Interferon und Ribavirin. Bei Hepatitis C Typ 2 und Typ 3 erreicht man durch die Interferon-Ribavirin-Kombitherapie Heilungsraten von bis zu 80 Prozent. Beim Typ 1 liegt die Heilungsrate allerdings unter 45 Prozent. Nun konnte von Wissenschaftern des Wiener Start-up Unternehmens Intercell ein Impfstoff entwickelt werden, der an einigen deutschen Zentren und an der Grazer Uniklinik im Rahmen einer Phase 2 Studie eingesetzt wird.

Dabei handelt es um eine therapeutische Impfung, die das Immunsystem stimulieren soll, die virusbefallen Leberzellen zu erkennen und diese samt den Viren abzutöten. In der ersten Phase wurde der Impfstoff an gesunden Probanden getestet und gesehen, dass der Impfstoff nicht nur gut vertragen wird, sondern dass sich tatsächlich eine "Immunantwort auf das Virus" aufbaut. In der zweiten Phase werden nun erstmals Patienten mit chronischer Hepatitis C behandelt. Dabei werden solche Personen ausgewählt, die auf die bisherige Standardbehandlung mit Interferon überhaupt nicht angesprochen haben - so genannte "Non-Responder".

Sollten nach den Impfungen genügend Immunzellen (in diesem Fall T-Lymphozyten) gegen die Viren mobil gemacht werden können, wird man in einer nächsten Stufe diese Form der Impfung auch als Primärtherapie und nicht nur bei "Non-Respondern" einsetzen, sagt der Grazer Hepatologe und Studienleiter Rudolf Stauber. Untersucht wird auch, ob durch eine Kombination mit Interferon die Heilungsraten erhöht werden können.

Ende des Jahres soll es erste Ergebnisse der Studie geben. Heute sehe man allerdings schon, dass die neue Therapie bis auf leichte Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle die Patienten kaum belaste, so Stauber. (APA)

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