Hansgeorg Stengel, Gebrauchsdichter

3. August 2003, 21:51
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"Deutschlands dienstältester Kabarettist" ist tot

Berlin - Der "dienstälteste Kabarettist Deutschlands" ist tot: Der Schriftsteller, Humorist, Satiriker und Entertainer Hansgeorg Stengel erlag am Abend seines 81. Geburtstag am Mittwoch in Berlin einer schweren Krankheit. Mit insgesamt 50 Büchern (und einer Auflage von zwei Millionen Stück) war Stengel im Osten Deutschlands ein gefragter Autor, der als penibler Wörtlichnehmer mit den Feinheiten und Spitzfindigkeiten der deutschen Sprache meisterhaft jonglierte. Er selbst sah sich bescheiden als "Gebrauchsdichter".

Moderner "Struwwelpeter"

Vielen Kindern in Ostdeutschland wurde Stengel wegen seines modernen "Struwwelpeters" ein Begriff, der 1970 erschien. Stengel wurde am 30. Juli 1922 in Greiz in Thüringen geboren, arbeitete nach dem Krieg journalistisch und siedelte nach Berlin über. Bis 1959 war er als Redakteur bei der Satirezeitschrift "Eulenspiegel" angestellt, danach freier Autor und Vortragskünstler. "Aus dem Eulenspiegel-Autor der ersten Stunde wurde der Altmeister der Satire, und als solcher war er nicht nur eine Instanz für Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung, sondern auch der dienstälteste Kabarettist Deutschlands", heißt es in dem Nachruf des Eulenspiegel-Verlags.

"Dicht an dicht"

"Mit Stengelszungen" hieß eines seiner bekanntesten Bücher, oder "Frühling, Sommer, Herbst und Kinder", "Strophe muss sein", "Stenglish for you", "Im Stenglischen Garten", "Der dicke Stengel" oder "Seegang, Satan, Sansibar. Als ich mal in Japan war". Zu seinem 80. Geburtstag veröffentlichte der Berliner Eulenspiegel Verlag im vergangenen Jahr sämtliche Gedichte unter dem Titel "Dicht an dicht". (APA)

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