"Chancengleichheit statt traditionelle Rollenverteilung fördern"

12. August 2003, 13:39
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Steuerreform: ÖGB-Frauen gegen Familien-Splitting

Wien - Die am Donnerstag vom Wiener Katholischen Familienverband geforderte Einführung des Ehepartner-Splittings bei der Besteuerung wird von den ÖGB-Frauen abgelehnt. "In Österreich wurde im Jahr 1974 die Individualbesteuerung eingeführt, um die Gleichstellung der Frauen im Berufsleben voranzutreiben. Wir brauchen keine Rückkehr zum gesellschaftlich überholten Modell des männlichen Alleinverdieners, sondern eine aktive Förderung der Chancengleichheit der Frauen", meinte ÖGB-Bundesfrauensekretärin Sylvia Ledwinka.

Rolle der Dazuverdienerin

Die gemeinsame Veranlagung des Haushaltseinkommens habe zur Folge, dass AlleinverdienerInnen gegenüber Haushalten mit zwei Einkommen steuerlich begünstigt würden. Wenn beide PartnerInnen verdienen, würden beim Splitting jene Familien besser aussteigen, wo einE PartnerIn - meist der Mann - viel verdiene, und der andere - meist die Frau - nur ein geringes Einkommen erziele. "Mit einem derartigen Steuermodell begünstigt man, dass Frauen in die Rolle der Dazuverdienerin gedrängt werden. Denn der Mann profitiert steuerlich davon, wenn sich die Frau mit einem Minieinkommen zufrieden gibt", erklärt Ledwinka.

Eigenständigkeit der Frauen fördern

Ziel staatlicher Politik müsse dem gegenüber die Förderung der Eigenständigkeit der Frauen sein. Dafür sei ein weiterer Abbau der Anrechnung des Haushaltseinkommens nötig. "Das gilt insbesondere für die Notstandshilfe, wo die Anrechnung des Partnereinkommens dazu führt, dass die Frauen häufig um ihren Anspruch umfallen oder die Leistung wegen des Einkommens des Partners gekürzt wird", so Ledwinka weiter. (APA)

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