Neuer Markt in Wien wird Fußgängerzone

5. August 2003, 21:41
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Noch ist der Platz mit Autos verstellt das soll sich nach Fertigstellung der Tiefgarage ändern - Anrainer fordern Mitsprache

Wien - Der Neue Markt in Wien, einer der wichtigsten Plätze im Zentrum der Bundeshauptstadt, ist heute großteils von Autos zugeparkt.

Architektenwettbewerb

Ab dem Jahr 2007 soll sich das ändern: Nach Fertigstellung der geplanten Tiefgarage werden der Platz und die umliegenden Gassen in eine Fußgängerzone umgewandelt. Für die Gestaltung wurde von der Stadt ein geladener Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Das Siegerprojekt stammt von Paul Katzberger und wurde am Donnerstag der Öffentlichkeit präsentiert.

Donnerbrunnen dominiert den Platz

"Sein Projekt geht sehr darauf ein, dass der Platz vom Donnerbrunnen dominiert wird", freute sich Wiens Planungsstadtrat Rudolf Schicker bei der Vorstellung im Alten Rathaus in Wien. "Er soll künftig optisches Zentrum sein und wird nicht mehr von Autos verstellt." Die seinerzeit umstrittenen, als "Türkenkugeln" berühmt gewordenen Poller, die das Barock-Kunstwerk seit 1993 vor den Blechkarossen schützen, haben damit ausgedient.

Schanigärten statt Autostellplätze

Der Platz soll großteils von Stadtmöblierung freigehalten werden, erläuterte Architekt Katzberger. Große Schanigärten soll es nur an den beiden Enden sowie entlang der Hausfassaden geben. Belegt wird der Platz mit Granitplatten, wobei sich jener kleine Bereich, der dem Verkehr weiter offen stehen wird, durch den Steinschnitt von der Umgebung abheben wird. Eine ähnliche Gestaltung ist auch für die Seilergasse, die Spiegelgasse und die Plankengasse vorgesehen.

Efeubewachsene Objekte

Ein spezielles Beleuchtungskonzept soll laut Katzberger die Asymmetrie des Platzes ausgleichen. Bei der Kapuzinergruft sollen efeubewachsene Objekte zudem das optische "Ausrinnen" des Platzes Richtung Tegetthoffstraße verhindern.

Kosten

Budgetiert sind für die Umgestaltung rund drei Mio. Euro, für die laut den Richtlinien der Stadt der Errichter der Garage aufkommen muss. Die unterirdische Autoabstellanlage selbst soll 15,5 Mio. Euro kosten. Geplant ist eine mechanische Palettengarage mit 350 Stellplätzen, davon 150 für Dauerparker. Als Baubeginn wird von den Betreibern das Frühjahr 2005 ins Auge gefasst. Die Fertigstellung soll - abhängig von den archäologischen Grabungen im Vorfeld - rund zwei Jahre später erfolgen. Erst dann kann mit der Neugestaltung des Platzes begonnen werden.

Garagenprojekt ist bei den Anrainer umstritten

Das Garagenprojekt selbst ist bei den Anrainer heiß umstritten. Zwei verfeindete Bürgerinitiativen mit prominenten Spitzenrepräsentanten, dem Anrainer und Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Ariel Muzicant, auf Seite der Befürworter und dem Schauspieler Herbert Fux als Gegner, kämpfen verbissen für ihre Anliegen.

Anrainer fordern Mitsprache

Lautstark bemerkbar machten sie sich auch bei der Präsentation des Gestaltungsprojekts. Muzicant berief sich auf 700 Pro-Unterschriften und forderte die Einbindung der Anrainer bei der Umsetzung der Bauprojekte am Neuen Markt. Fux sprach Muzicant dagegen die Berechtigung ab, sich für Anrainer-Anliegen einzusetzen. Ein Teil der Unterschriften stamme gar nicht aus Wien, behauptete der kämpferische Schauspieler. Von Bezirksvorsteher Franz Grundwalt (V) forderte er vehement eine Befragung der Bürger über die Garage. (APA)

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