Spieler bekommt Millionenverlust zurück

1. August 2003, 20:49
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Kärntner verspielte 2,54 Millionen Euro - klagte das Spielcasino Velden und gewann den Prozess - 500.000 Euro Schadenersatz

Klagenfurt - Die Casinos Austria haben erstmals einen Zivilprozess gegen einen spielsüchtigen Exkunden verloren. Einem Kärntner, der zwischen 1997 und 2000 im Casino Velden rund 2,5 Millionen Euro verspielt hatte, wurde im Landesgericht Klagenfurt nun in erster Instanz ein Schadenersatz von 499.000 Euro zugesprochen. Das Urteil von Richter Helfried Kandutsch ist nicht rechtskräftig.

Einsätze waren durchwegs ungewöhnlich hoch

Seine Sucht nach Black Jack hatte den heute 40-jährigen Spieler in knapp drei Jahren mehr als 100-mal an den Kartentisch getrieben. Die Einsätze waren durchwegs ungewöhnlich hoch, das Kasino ließ ihn gewähren.

Die beiden Rechtsvertreter des Kärntners, Gunter Huainigg und Walter Dellacher, beriefen sich auf Paragraf 35 Absatz 3 des Glücksspielgesetzes. Demnach muss das Kasino bei jedem Spieler, der "auffällig wirkt", dessen Bonität überprüfen. Spätestens, als der Spieler eine selbst veranlasste Sperre schnell wieder aufheben habe lassen, hätte das Kasinopersonal die Spielsucht ihres Mandanten erkennen müssen, argumentierten die beiden Rechtsanwälte aus Klagenfurt.

Schadenersatz

Ursprünglich hat der spielsüchtige Pechvogel auf 1,2 Millionen Euro Schadenersatz geklagt. Von der nun vorläufig zugesprochenen halben Million muss er 11.000 Euro an Prozesskosten übernehmen, weil er ja nur einen Teilerfolg verbuchen konnte.

Die Casinos AG hat nun vier Wochen Zeit, um gegen den möglicherweise richtungsweisenden Spruch zu berufen. Es wird aber nicht erwartet, dass sich das Unternehmen damit so lange Zeit lässt. Falls das spektakuläre Urteil auch in der letzten Instanz halten sollte, können sich heimische Glücksspielunternehmen auf eine regelrechte Prozesswelle gefasst machen. (APA, simo, DER STANDARD Printausgabe 1.8.2003)

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