Grüne: "ÖVP ist ahnungslos"

1. August 2003, 17:21
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Grünewald kritisiert Schüssels Ankündigung, bis Jahresende ein Konzept vorzulegen: "Hätte erwartet, dass das schon vorhanden ist"

Wien - Der grüne Gesundheitssprecher Kurt Grünwald warf der Volkspartei am Donnerstag "Ahnungslosigkeit" in der Gesundheitsdebatte vor und zeigte sich erstaunt über die Ankündigung von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V), bis Jahresende ein Konzept zur Gesundheitsreform vorzulegen. Grünewald meinte, dies könne doch kein Plan sein. "Ich hätte mir erwartet, dass im Regierungsprogramm das wichtige Thema Gesundheit mit einem Konzept ausreichend vorhanden ist. Jetzt ein halbes Jahr später wird gesagt, in einem halben Jahr gibt es ein Gesundheitsprogramm".

Es sei aber zu wenig, nur mit Schlagworten zu arbeiten. Wenn die einzige Erkenntnis bisher sei, dass man 16.000 Betten weniger haben wolle und sich dies daraus ergebe, dass man mit dieser Zahl über dem EU-Schnitt liege, brauche man keine Experten. "Den EU-Schnitt rechnet mir jeder Bankbeamte aus".

Was die Medikamentenkosten betrifft, wendet sich Grünewald, selbst Arzt, entschieden gegen die verkürzte Darstellung, dass teure Medikamente schlecht seien. "20 bis 30 Prozent der Medizinkosten entstehen dadurch, weil Medikamente falsch oder in nicht korrekter Dosierung eingenommen werden oder weil sie zu beträchtlichen Nebenwirkungen führen". Er würde eher vorschlagen, dass man "eine Positivliste von Medikamenten erstellt und Empfehlungen abgibt".

Vorschreiben könne man den Ärzten die Verschreibung billiger Medikamente sowieso nicht, das wäre ein Eingriff in die Therapiefreiheit. Bei einer Positivliste könnte man dann beispielsweise jene Medikamente, die nicht von wissenschaftlichem Wert sind, aus der Abgeltung heraus nehmen, also rezeptfrei machen. "Es gibt so viele Medikamente von fraglichem Wert, dass man hier sieben könnte", so der grüne Wissenschaftssprecher.(APA)

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    foto: standard/semotan
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