USA schlägt schärferen Ton gegenüber Nordkorea an

1. August 2003, 11:38
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Neue Gespräche zu Nordkorea eventuell im September - US-Chefunterhändler bezeichnet nennt Kim "tyrannischen Chef eines Schurkenstaates"

Seoul - Die USA haben vor möglichen neuen Gesprächen über das Atomprogramm Nordkoreas im September den Ton gegenüber dem kommunistischen Staatschef Kim Jong Il verschärft.

Kim sei "tyrannischer Diktator"

US-Chefunterhändler John Bolton nannte Kim am Donnerstag in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul einen tyrannischen Diktator, der königlich lebe, während die Bevölkerung hungere, und tausende im Gefängnis säßen. Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo meldete unter Berufung auf nordkoreanische und US-Kreise in Washington, Gespräche zwischen Vertretern der USA, Nordkoreas und Chinas könnten Anfang September wieder aufgenommen werden.

Die Äußerungen Boltons dürften eine harsche Reaktion Nordkoreas nach sich ziehen. Bolton sagte, Kim liege falsch, wenn er glaube, dass seine Drohung mit einem Atomwaffen-Export die Entschlossenheit der Staatengemeinschaft verringern werde, durch Gespräche die Atompläne Nordkoreas zu stoppen. "Die Tage der (nordkoreanischen) Erpressung sind vorüber", sagte Bolton vor dem Ostasien-Institut. "Kim Jong Il unterliegt einem tödlichen Fehler, wenn er glaubt, die Entwicklung von Atomwaffen mehre seine Sicherheit." Im vergangenen Jahr habe Kim insbesondere das Atomprogramm vorangetrieben.

Bolton gilt als "Hardliner" gegenüber Nordkorea

Bolton gilt als Vertreter einer harten Linie gegenüber Nordkorea. Er beschrieb Kim als einen "tyrannischen Chef eines Schurkenstaats", der umfassende Reformen einführen müsse oder anderenfalls den wirtschaftlichen Ruin erlebe. "Für viele in Nordkorea ist das Leben ein höllischer Albtraum."

Bolton berät US-Außenminister Colin Powell, der am Mittwoch in einem Reuters-Interview sagte, er sehe eine deutliche Möglichkeit, in diesem Jahr weitere multilaterale Gespräche mit Nordkorea, China und möglicherweise anderen Staaten zu führen, um einen Weg aus der Krise zu finden. "Wir glauben, dass es Zeit ist für eine größere Gruppe von fünf oder sechs Staaten, wenn man Russland, Japan und Südkorea zu Nordkorea, China und den USA hinzunimmt", sagte Powell.

Bereits im April hatten Vertreter der USA, Nordkoreas und Chinas in Peking über das Atomprogramm beraten, allerdings ohne greifbares Ergebnis. Nordkorea hatte bilaterale Gespräche mit den USA und einen Nichtangriffspakt verlangt, dann aber zu dem Dreier-Treffen eingewilligt.

Powell sagte, die USA hätten China ihre Bereitschaft übermittelt, ein Eingehen auf Nordkoreas Sicherheitsbedürfnisse zu prüfen. Nordkoreas Wunsch nach einem Nichtangriffspakt könne nicht erfüllt werden, da es schwierig sein dürfte, den US-Senat für die Ratifizierung eines solchen Vertrages zu gewinnen. Die US-Regierung werde aber nach anderen Wegen suchen, um das Sicherheitsbedürfnis Nordkoreas zu befriedigen, sagte Powell.

Im Oktober hatte Nordkorea nach US-Angaben die Existenz eines geheimen Programms zur Anreicherung von Uran eingeräumt. Die USA befürchten, dass Nordkorea damit Atomwaffen herstellen, ihre Verbündeten Südkorea und Japan bedrohen und die gesamte Region destabilisieren könnte. (APA/Reuters)

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    Demonstranten protestieren gegen die US-Politik gegenüber Nordkorea.

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