Vatikan: "Homo-Ehe ist schädlich"

18. August 2003, 19:23
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Katholische Politiker hätten "sittliche Pflicht", Widerstand gegen die Legalisierung von ehe-ähnlichen Partnerschaften von Homosexuellen zu leisten

Rom - Der Vatikan hat alle Gläubigen und katholischen Politiker zum Widerstand gegen die Legalisierung von Ehe-ähnlichen Partnerschaften von Homosexuellen aufgerufen. "Die Ehe ist heilig, während die homosexuellen Beziehungen gegen das natürliche Sittengesetz verstoßen", heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten offiziellen Dokument der Glaubenskongregation.

Wer zustimme, begehe "eine schwerwiegende unsittliche Handlung"

Der katholische Parlamentarier habe "die sittliche Pflicht, klar und öffentlich seinen Widerspruch zu äußern". Wer einer rechtlichen Anerkennung der so genannten "Schwulen-Ehe" zustimme, begehe "eine schwerwiegende unsittliche Handlung", heißt es weiter.

Vom Papst angenommen

Das Vatikan-Dokument ist vom Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, unterzeichnet. Ausdrücklich heißt es, auch Papst Johannes Paul II. habe es angenommen. Das 14-Seiten-Dokument trägt den Titel "Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen".

"Verstoßen gegen das natürliche Sittengesetz"

"Die Ehe ist heilig, während die homosexuellen Beziehungen gegen das natürliche Sittengesetz verstoßen", heißt es in dem Text. Keine Ideologie könne "dem menschlichen Geist die Gewissheit nehmen, dass es eine Ehe nur zwischen zwei Personen verschiedenen Geschlechts gibt". Der Respekt gegenüber homosexuellen Personen könne "in keiner Weise zu einer Billigung des homosexuellen Verhaltens oder zur Anerkennung der homosexuellen Lebensgemeinschaften führen". Denn diese Lebensgemeinschaften erfüllten "auch nicht in einem weiteren analogen Sinn die Aufgaben, deretwegen Ehe und Familie eine eigene qualifizierte Anerkennung verdienen".

Adoption würde "faktisch eine Vergewaltigung der Kinder" bedeuten

Dagegen gebe es "gute Gründe zur Annahme", dass diese Lebensgemeinschaften "für die gesunde Entwicklung der menschlichen Gesellschaft schädlich" seien, schreibt der Vatikan in seinen "Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen". Adoptierten homosexuelle Paare Kinder, würde dies "faktisch eine Vergewaltigung der Kinder" bedeuten. Homosexuelle Praktiken "gehören zu den Sünden, die schwer gegen die Keuschheit verstoßen".

Gemeinschaft zur Fortpflanzung

Zur Begründung des Widerstands gegen die "Schwulen-Ehe" heißt es, die Ehe sei eine Gemeinschaft von Mann und Frau zur Fortpflanzung. Daher werde sie von der Gemeinschaft geschützt und gefördert. Ehe und Familie garantierten den Fortbestand der Generationen, sie seien daher von herausragendem öffentlichen Interesse und müssten vom Staat und vom Gesetzgeber institutionell anerkannt, gefördert und geschützt werden. Es wäre ungerecht und stünde im Widerspruch zu staatlichen Verpflichtungen, würde man homosexuelle Partnerschaften gleichberechtigt neben die Ehe stellen.

Die "Aufgabe für das Gemeinwohl"

"Die homosexuellen Lebensgemeinschaften bedürfen hingegen keiner spezifischen Aufmerksamkeit von Seiten der Rechtsordnung, da sie nicht die genannte Aufgabe für das Gemeinwohl besitzen." Eine Legalisierung der Homosexuellen-Ehe führe dazu, "dass das Verständnis der Menschen für einige sittliche Grundwerte verdunkelt und die eheliche Institution entwertet würde".

Wo geht´s schon?

In den Niederlanden und in Belgien dürfen gleichgeschlechtliche Paare heiraten. In Deutschland und Frankreich dürfen sie zwar keine Ehe eingehen, können aber eine ehe-ähnliche Lebenspartnerschaft schließen; Kinder adoptieren dürfen sie in beiden Ländern nicht. In Großbritannien gibt es entsprechende Pläne. In Kanada wird diskutiert, wie in den Niederlanden und Belgien die Eheschließung zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern zu erlauben.

Demonstration angekündigt

Italienische Homosexuellengruppen kündigten noch für Donnerstag eine Demonstration vor dem Vatikan an. Der deutsche Lesben- und Schwulenverband (LSVD) hatte das Dokument bereits am Dienstag vor seinem Erscheinen scharf kritisiert.(APA/dpa)

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