Und vor der Tür der Chinese

3. September 2013, 23:38
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Der Dienstag wurde ein TV-Abend für Masochisten, die Schmerz lieber in kleinen Dosen zugefügt bekommen

Es gab am Dienstagabend Momente, da man sich fragte, ob es nicht besser wäre, alle vier gleichzeitig an einen Tisch zu setzen. Aber es wurde ein Abend für Masochisten, die Schmerz lieber in kleinen Dosen zugefügt bekommen.

Zuerst saßen Michael Spindelegger (ÖVP) und Frank Stronach (sein eigenes Team) bei Ingrid Thurnher: der eine wieder etwas overcoacht, aber in zusammenhängenden Sätzen sprechend, der andere müder als zuletzt, was seinen Hybriddialekt entschleunigte.

Apropos Masochisten: Stronachs "Ich will dienen!" klang bei seiner gefühlten tausendsten Wiederholung nur mehr wie devotes Flehen. Dass er müde war, verriet auch der Umstand, dass Spindelegger mehr Redezeit errang. Oder der Zeitvorsprung war der streng geheime Trick eines Magiers und Entfesselungskünstlers.

Außenpolitik, Syrien, die Nato - das sind nicht die Themen Stronachs. Als er "Hitler" sagte, ging ein leises Zucken durch den Körper der Moderatorin. Und: Offenbar weiß Stronach etwas von Einmarschplänen der Chinesen in Österreich.

Nach der Pause wurde es laut. SPÖ-Kanzler Werner Faymann wurde grantig auf Josef Bucher (BZÖ) und nannte ihn "Enttäuschung des Abends", weil er sich aus der Verantwortung für die Milliardenpleite der Hypo hinausredete.

Thurnher wurde auch grantig auf Bucher. Weil er den Unterschied zwischen einer Gesamtschule und keiner Gesamtschule nicht verstand. Bucher war da kurz ganz schön still. Doch er bestand darauf, Arbeitslose zu diversen Diensten heranzuziehen, gebe es doch "Menschen, die psychisch verarmen könnten zu Hause".

Nicht, wenn sie früh genug den Fernseher abdrehen. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 4.9.2013)

  • Spindelegger, Thurnher, Stronach
    foto: apa/herbert neubauer

    Spindelegger, Thurnher, Stronach

  • Bucher, Faymann
    foto: apa/herbert neubauer

    Bucher, Faymann

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