Standort Österreich bleibt am Fleck

4. September 2013, 00:01
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Das World Economic Forum vergibt unverändert Rang 16, aber schlechte Noten bei der Flexibilität des Arbeitsmarktes

Genf/Wien - Wenn es um die Attraktivität des österreichischen Wirtschaftsstandorts geht, kommen sich selbst Parteifreunde in die Haare. Der Sager von Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl, wonach der Standort "abgesandelt" sei, wurde u. a. von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (beide ÖVP) zurückgewiesen. Der Standort sei gut aufgestellt, konterte der Ressortchef. Die Sozialdemokratie reagierte auf die "Schlechtrederei" ohnehin hellauf empört.

Nun bescheinigt das World Economic Forum (WEF) Österreich akzeptable Rahmenbedingungen. Mit Rang 16 unter 148 Staaten konnte das Land seine Platzierung des Vorjahres halten, vor zwei Jahren war man noch drei Stellen schlechter gelegen. Langfristig sei die Entwicklung tendenziell positiv, analysiert WEF-Ökonomin Margareta Drzeniek Hanouz im Gespräch mit dem Standard. Allerdings zeigt das internationale Ranking auch, dass sich manche Staaten weit besser entwickeln. Deutschland beispielsweise, Österreichs wichtigster Handelspartner, schaffte den Sprung von Platz sechs auf vier. Ebenfalls auffällig ist, dass mit den USA ein weiterer entwickelter Industriestaat aufholte (Platz fünf). Die Vereinigten Staaten schafften sogar erstmals eine Verbesserung, nachdem sie in den letzten fünf Jahren kontinuierlich von Rang eins auf sieben zurückgefallen waren. Japan komplettiert mit einem Aufstieg von Platz zehn auf neun den Vormarsch der weltgrößten Volkswirtschaften.

Umgekehrt wurde der Aufwärtstrend der Schwellenländer gebremst. Russland ist das einzige BRICS-Land, das noch etwas vorgereiht wurde, Brasilien verlor dagegen gleich acht Plätze. Angeführt wird die Liste der Wettbewerbsfähigkeit, die auf Befragung von 15.000 Managern und Vertretern internationaler Organisationen basiert, unverändert von der Schweiz, Singapur und Finnland.

Platz 147 bei Lohnfindung

Zurück zu Österreich: Das Land punktet bei den bekannten Faktoren politischer Frieden, Infrastruktur und schneidet auch bei Bildungsaspekten respektierlich ab: Bei der Qualität des Bildungssystems wird Rang 24 ermittelt. Als größte Schwachstelle enthüllt der Bericht den Arbeitsmarkt, wobei hier wiederum die starre Lohnfindung als besonders negativ empfunden wird. Sie sei "sehr zentralisiert, für die Unternehmen gibt es wenig Flexibilität, um auf Veränderungen der Nachfrage reagieren zu können", sagt Expertin Drzeniek Hanouz. Das WEF vergibt in dieser Kategorie die zweitschlechteste Note - Platz 147. Ebenfalls kritisch wird die hohe Belastung des Faktors Arbeit betrachtet. Dadurch fehlten Anreize, die Beschäftigung zu erhöhen. Auch hier liegt Österreich mit Rang 112 im hintersten Drittel der untersuchten Länder.

Nicht viel besser sieht es bei den bürokratischen Schranken für das Unternehmertum aus. Bei der Geschwindigkeit, mit der Behörden Gründungen genehmigen, schafft es das Land nur auf Platz 97. Hervorragende Werte erzielt der Standort hingegen bei diversen Unternehmensfaktoren. Ob Qualität lokaler Lieferanten, internationale Vertriebsnetze, Produktionsprozess oder Breite der Wertschöpfungskette - die Betriebe kommen jeweils in die Top-Ten-Kategorie.

Weil Österreich auch bei diversen Innovationswerten punktet, sieht Drzeniek Hanouz die Volkswirtschaft auf einem guten Weg in die Zukunft. Bei den betrieblichen Forschungsausgaben kommt das Land ebenso wie bei den Kapazitäten für weitere Innovationen auf Platz 14. (as, DER STANDARD, 4.9.2013)

  • Österreich hat keinen Grund zum Jubeln, ist aber auch nicht abgesandelt.
    foto: apa/fohringer

    Österreich hat keinen Grund zum Jubeln, ist aber auch nicht abgesandelt.

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