Planet der Inseln: Eine Bestandsaufnahme

8. September 2013, 12:00
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Lebensraum für eine halbe Milliarde Menschen und zahllose einzigartige Spezies: Deutsche Forscher systematisieren an die 18.000 Inseln

Göttingen/New Haven - Wissenschafter der Universität Göttingen und der Yale-Universität in New Haven haben die bisher umfassendste Datenbank über das Klima und die geografische Beschaffenheit von Inseln angelegt. Dafür wurden die Daten zu fast 18.000 Meeresinseln mit einer Fläche von mindestens einem Quadratkilometer einbezogen.

Meeresinseln machten nur rund fünf Prozent des Festlandes auf der Erde aus, seien aber Heimat für eine überproportional große Zahl von Tier- und Pflanzenarten, berichtet das Forscherteam in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften. "Mehr als 500 Millionen Menschen leben weltweit auf Inseln. Dennoch hat eine umfassende Beschreibung der ökologischen Bedingungen auf Inseln bisher gefehlt", sagte Studienleiter Holger Kreft, Biologe und Professor für Makroökologie an der Universität Göttingen.

Kleine Horte eines speziellen Klimas

"Unsere Daten erlauben einen ganz neuen Blick auf die tausenden von Inseln auf unserem Planeten", sagte Kreft. So lägen 65 Prozent aller Inseln in den tropischen Breiten. Im Vergleich zum Festland herrscht auf Inseln aber überwiegend kühl-feuchtes Klima, hat die Studie ergeben. "Wir haben auch herausgefunden, dass es überraschend viele Inseln mit gemäßigtem Regenwaldklima gibt, einem der seltensten Ökosysteme der Erde."

Viele Inseln seien vom Klimawandel und eingeschleppten Tier- und Pflanzenarten besonders bedroht, warnen die Forscher. So sind etwa zwei Fünftel der vom Aussterben bedrohten Arten auf Inseln heimisch. Große Inseln in der Karibik und Südostasien oder im Mittelmeer erwiesen sich als besonders artenreich. "Wie viele Inseln es insgesamt auf der Welt gibt, weiß niemand", sagte Kreft. "Wenn man auch kleine Felsen dazurechnet, können es Millionen sein."

Die neuen Erkenntnisse könnten bei der weiteren Erforschung der biologischen Vielfalt auf Inseln eine wichtige Rolle spielen, hofft Kreft. "Inseln sind Mikrokosmen, auf denen wir die Evolution von biologischer Vielfalt sowie ökologische Prozesse untersuchen und besser verstehen können", betonte er. "Zum ersten Mal haben wir nun einen standardisierten globalen Datensatz, der als Grundlage für die weltweite Erforschung von Inseln und ihren Lebensgemeinschaften dienen kann." (APA/red, derStandard.at, 8. 9. 2013)

  • Die Îles de Salut vor der Küste von Französisch-Guayana und eine Übersichtskarte zu den Inseln der Welt. Gleiche Farben stehen für gleiche (nicht-biologische) Grundcharakteristika.
    illustration: patrick weigelt

    Die Îles de Salut vor der Küste von Französisch-Guayana und eine Übersichtskarte zu den Inseln der Welt. Gleiche Farben stehen für gleiche (nicht-biologische) Grundcharakteristika.

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