Bei akuter Entzündung der Gallenblase sollte sofort operiert werden

3. September 2013, 15:57
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Eine spätere Operation nach mehrwöchiger Behandlung mit Antibiotika hat keine Vorteile, zeigt eine deutsche Studie

Gleich operieren oder doch noch abwarten? Eine Studie unter Federführung der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg zeigt: Patienten, die an einer akuten Gallenblasen-Entzündung leiden, sollten umgehend operiert werden. Eine spätere Operation nach mehrwöchiger Behandlung mit Antibiotika hat keine Vorteile.

Wichtigste Risikofaktoren für eine akute Entzündung der Gallenblase sind Gallensteine und ein höheres Lebensalter. Unbehandelt kann die Entzündung der Gallenblase (Cholecystitis) zur Ruptur und zu schweren Infektionen in den benachbarten Organen und im Bauchraum führen. Die Gallenblase wird heute in der Regel ohne großen Bauchschnitt minimal-invasiv mittels "Schlüsselloch-Chirurgie" entfernt.

Weniger Komplikationen

Unklar war bislang, wann der beste Zeitpunkt für diesen Eingriff ist. "Mit dieser Studie konnte eine langjährige Kontroverse endlich wissenschaftlich gelöst werden", erklärt Markus W. Büchler, Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg. Nach einer Operation innerhalb von 24 Stunden weisen die Patienten weniger Komplikationen auf, sind früher wieder fit und können das Krankenhaus schneller verlassen.

Die ACDC-Studie wurde an mehreren Zentren in Deutschland gemeinsam von Chirurgen und Internisten durchgeführt und  in der amerikanischen Fachzeitschrift "Annals of Surgery" veröffentlicht. Sie ist die erste klinische Studie, die beide Therapieansätze – frühe und verzögerte Operation – prospektiv bei zwei großen Gruppe mit jeweils rund 300 Patienten nach zufälliger Gruppenzuteilung untersucht hat.

Die Therapie-Ergebnisse wurden 75 Tage nach der Operation analysiert: Bei einer frühzeitigen Operation gab es mit 11,8 Prozent signifikant weniger Beschwerden und Komplikationen als bei dem zunächst konservativen Vorgehen (34,4 Prozent).

Nur 5,4 Tage in der Klinik

Auch aus ökonomischen Gesichtspunkten spricht vieles für eine frühzeitige Entfernung der Gallenblase: Die unverzüglich operierten Patienten blieben im Durchschnitt nur 5,4 Tage in der Klinik im Gegensatz zu den später operierten Patienten, bei denen der Aufenthalt im Durchschnitt zehn Tage betrug.

Das Fazit der Autoren der ACDC-Studie: "Aufgrund dieser Ergebnisse glauben wir, dass die sofortige minimal-invasive Entfernung der Gallenblase die Therapie der Wahl für die akute Cholezystitis bei allen operablen Patienten werden sollte." (red, derStandard.at, 3.9.2013)

  • Nicht nur aus therapeutischen sondern auch aus ökonomischen Gesichtspunkten spricht einiges für eine frühzeitige Entfernung der Gallenblase
    foto: derstandard.at/moser

    Nicht nur aus therapeutischen sondern auch aus ökonomischen Gesichtspunkten spricht einiges für eine frühzeitige Entfernung der Gallenblase

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