Welche Narben sind noch da?

3. September 2013, 18:02
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Das Schauspielhaus Wien reflektiert in der Saison 2013/14 über den Ersten Weltkrieg

Wien - Die neue Spielzeit im Schauspielhaus gilt dem Epochenbruch durch den Ersten Weltkrieg (1914-1918) und seinen Folgen für das 20. Jahrhundert. Ein Schwergewicht der jüngeren Weltliteratur, Jonathan Littells Kriegsfantasie Die Wohlgesinnten, bringt am 4. Oktober in der Dramatisierung und Regie von Antonio Latella das Programm der neuen Saison ins Rollen.

In weiterer Folge kehrt die serbische Dramatikerin Biljana Srbljanovic nach längerem wieder auf die Theaterbühne zurück. Im Auftragswerk Princip verhandelt sie den Anarchismus auf dem Balkan bzw. fragt mit Blick auf den titelgebenden Attentäter von Sarajevo 1914, Gavrilo Princip, wie eine jeweils junge Generation Terrorakte als politisches Statement legitimiert. Uraufführung ist am 16. Oktober.

Exemplarisch und ganz gegenwärtig packt das Terrorthema der britische Dramatiker David Greig an. Sein soeben in Edinburgh uraufgeführtes und dort bereits ausgezeichnetes Stück Die Ereignisse versucht, den Anschlag auf einen multikulturellen Chor aufzuschlüsseln. Österreich-Premiere der internationalen Koproduktion ist am 22. November, Regie führt Ramin Gray.

Den Spielplan 2013/14 stellt Schauspielhaus-Direktor Andreas Beck unter das Motto "100 Jahre Wahn und Sinn". Dazu zählt insbesondere auch die Uraufführung einer Theaterfassung von Jenny Erpenbecks Roman Aller Tage Abend, der am Beispiel einer sich (im Konjunktiv) über das 20. Jahrhundert erstreckenden Frauenvita vom jüdischen Leben erzählt. PeterLicht klagt seinerseits Das Sausen der Welt an und damit eine Gesellschaft, der es immer weniger um Inhalte geht (Premiere im Jänner).

Anne Habermehl und Philipp Weiss, jeweils mit einer Uraufführung vertreten, sind Hausautoren der neuen Saison. Sie sind zudem - neben Ferdinand Schmalz - für die diesjährige Schauspielhaus-Serie verantwortlich; sie widmet sich mit Stefan Zweigs autobiografischem Roman Die Welt von Gestern den Narben der Donaumonarchie. (afze, DER STANDARD, 4.9.2013)

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    foto: schauspielhaus
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