Schritt für Schritt

Blog4. September 2013, 09:58
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Mit 40.000 Schritten pro Dienst tat ich als Turnusärztin meiner Gesundheit zumindest in dieser Hinsicht etwas Gutes

Vier Stationen, aufgeteilt auf zwei Stockwerke, hatte ich als Turnusärztin auf der Internen Abteilung in einem 32-Stunden-Dienst zu betreuen. Das waren 136 Patienten bei voller Belegung. Bei hohem Patientenaufkommen kamen in aller Regel noch bis zu 20 Gangbetten dazu.

Ich verbrachte zwölf Monate auf dieser Abteilung, im Schnitt waren acht Nachtdienste pro Monat angesagt, macht 96 Nachtdienste über das Jahr verteilt.

Das Telefon war in dieser Zeit mein wichtigster Begleiter. Das Pflegepersonal konfrontierte mich permanent mit Anfragen: "Frau Doktor, der Patient braucht dringend einen Katheter." - "Frau Doktor, wir hätten da vier Chemotherapien zum Anhängen." - "Frau Doktor, der Patient hat keinen Zugang." - "Frau Doktor, der Patient fiebert, können Sie bitte vorbeikommen." Stiegen rauf, Stiegen runter - ich war den ganzen Tag in Bewegung, und nicht selten auch nachts.

Muskelkraft und Ausdauer

Laut Studien reichen 10.000 Schritte pro Tag aus, um das Risiko, an Altersdiabetes oder einem Herzinfarkt zu erkranken, drastisch zu reduzieren. Dass sich meine Muskelkraft verbesserte, war an meinen Oberschenkeln bald nicht mehr zu übersehen. Wie es um meine Ausdauer bestellt war, wollte ich mit einem Schrittzähler dokumentieren, der mir zeigen sollte, wie viele Kilometer ich innerhalb eines Dienstes zurücklegte.

Gesagt, getan. Ich besorgte mir also einen Pedometer, gab meine individuelle Schrittlänge ein, befestigte das Gerät an meinem Hosenbund und begann meine tägliche Spritzenrunde im nächsten Dienst um 7 Uhr morgens. 32 Stunden später ging meine Schicht um 13 Uhr nach einer durchschnittlich anstrengenden Nacht zu Ende. Das Ergebnis meines Schrittzählers: Ich hatte 27 Kilometer, also ungefähr 40.000 Schritte hinter mich gebracht und dabei 1.800 Kilokalorien verbraucht. 

Zum Kopierer und zurück

10.000 Schritte entsprechen - an meiner Schrittlänge gemessen - einer Distanz von circa acht Kilometern. Wer diese Wegstrecke täglich zurücklegt, bringt es innerhalb eines Jahres auf beachtliche 1.400 Kilometer. In dem Jahr auf der inneren Abteilung hatte ich also allein im Krankenhaus etwa 2.600 Kilometer zurückgelegt.

Als Redakteurin kann ich von solchen Distanzen heute nur träumen, denn im Schnitt machen Büroangestellte gerade einmal 2.000 bis 3.000 Schritte pro Tag. Dass die enormen Arbeitszeiten im Spital, auch bedingt durch den chronischen Schlafmangel, der Gesundheit nicht förderlich sind, ist nachvollziehbar. Ob die Wege zum Kopierer und zurück für meine Gesundheit allerdings nachhaltig sind, wage ich zu bezweifeln. (Regina Walter, derStandard.at, 4.9.2013)

Regina Walter leitet den Gesundheitschannel von derStandard.at. Ihre medizinische Tätigkeit hat sie vor fünf Jahren an den Nagel gehängt. Als neuer Blogdoc erinnert sie sich an ihr Leben als Turnusärztin.

  • An Bewegung mangelt es Turnusärzten nicht.

    An Bewegung mangelt es Turnusärzten nicht.

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