"Cut": Hiebe für die Kinoliebe

2. September 2013, 17:39
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Zwei Parabeln vom Leben für den Film: Amir Naderis Leidensdrama "Cut" und Houchang Allahyaris Porträt "Robert Tarantino"

Wien – Der Iraner Amir Naderi ist ein Weltreisender des Kinos. In den 1980er-Jahren durch neorealistisch inspirierte Filme in seiner Heimat bekannt geworden (The Runner), emigrierte er Anfang der 90er nach New York und setzte seine Regielaufbahn in Underground-Manier fort, etwa mit dem energischen Drama Vegas: Based On a True Story.

Fast zeitgleich mit Abbas Kiarostami (Like Someone in Love) hat auch Naderi nun in Japan einen Film realisiert: Cut, eine Apologie des Kinos, wie es sie in der Geschichte des Mediums noch nicht gegeben hat. Im Zentrum steht Shuji (Hidetoshi Nishijima), ein mittelloser Filmemacher, der seine Vorbilder Kurosawa, Ozu und Mizuguchi wie Heilige verehrt. Er zeigt überdies missionarischen Eifer, was Filmvermittlung anbelangt und betreibt auf dem Dach eines Hauses rührig einen Filmclub.

Naderi stilisiert seinen Helden zu einer Art Heiland des Kinos. Um Geld für seinen Bruder aufzutreiben, der sich mit der Mafia eingelassen hat, kommt Shuji auf eine denkwürdige Idee: Er lässt sich gegen Honorar verprügeln. Eine Geste, aus der bald ein symbolisches Martyrium wird – Shuji steckt die Schläge in einem umfassenderen Sinne ein, stellvertretend für alle, die sich auch am Kino versündigt haben.

Robert Tarantino, dem Regisseur aus Houchang Allahyaris gleichnamigem Doku-Porträt, kann man kommerziellen Ausverkauf kaum vorwerfen. Der kinobegeisterte Amateur dreht seine Trash-Filme für den Preis einer Mini-DV-Kassette und bestreitet alle erforderlichen Funktionen selbst – oft steht er in den Zombie- und Vampirdramen auch noch vor der Kamera.

Allahyari begleitet Tarantino, der eigentlich Wolfgang heißt und aus Wien stammt, auf Augenhöhe durch seine skurrile Fanwelt – auch ein Passionsstück, diesmal mit realen Figuren. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD, 3.9.2013)

Ab Freitag im Kino

  • Von einem, der für das Kino beide Wangen hinhält: Amir Naderis cinephiles Gangsterdrama "Cut"
    foto: stadtkino

    Von einem, der für das Kino beide Wangen hinhält: Amir Naderis cinephiles Gangsterdrama "Cut"

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