Graustromanteil hat sich 2012 halbiert

2. September 2013, 13:08
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Ökostrom wird bei Österreichs Unternehmen immer beliebter, nur noch 7,4 Prozent des Stroms sind unbekannter Herkunft

Wien - Der Anteil von Strom unbekannter Herkunft (Graustrom), hinter dem sich auch Atomstrom verbirgt, hat sich im vergangenen Jahr auf 7,3 Prozent halbiert, geht aus dem heute präsentierten Stromkennzeichnungsbericht der E-Control hervor. Im Jahr 2007 betrug dieser Anteil noch 20 Prozent. Die Atomstromimporte reduzierten sich rein rechnerisch im Vorjahr von 4,9 auf 2,6 Prozent.

Aufgrund guter Wasserführung hat der mit erneuerbaren Energieträgern gekennzeichnete Strom um zehn Prozentpunkte auf 74,5 Prozent zugelegt. "2012 gab es deutlich mehr Wasser als 2011. Außerdem sind die Importe von norwegischen Wasserzertifikaten gestiegen", sagte E-Control-Vorstand Martin Graf. Heuer dürfte ein durchschnittliches Wasserjahr werden, so Graf. Der Anteil fossiler Energieträger sank von 21,4 auf 17,9 Prozent.

Umweltbilanz verbessert sich

Durch den Anstieg des Erneuerbaren-Anteils hat sich auch die Umweltbilanz verbessert: Die CO2-Emissionen reduzierten sich um rund ein Drittel. Im Schnitt fielen für die Produktion einer Kilowattstunde Strom 129 Gramm CO2 (nach 192,5 Gramm) und 0,05 Milligramm (nach 0,1 Milligramm) radioaktiver Abfall an.

Ab Ende des Jahres muss jede Kilowattstunde Strom für Haushaltskunden mit einem Nachweis versehen werden, beschloss die Regierung im Juli. Für die Industrie gilt die Stromkennzeichnungspflicht ab Ende 2015. Im Vorjahr waren 92,7 Prozent der Strommenge mit Nachweisen belegt. Die übrigen 7,3 Prozent waren nicht mit Nachweisen belegt und gelten somit als Graustrom.

Österreich als Vorreiter

Stromkennzeichnung sei nicht nur in Österreich, sondern europaweit ein Thema, wenngleich Österreich hier Vorreiter sei, so Graf. Die deutsche Energiebörse EEX handle seit Juni mit reinen Herkunftsnachweisen. Es laufe zwar noch schleppend, aber es entstehe immerhin ein Markt dafür, räumte E-Control-Ökoenergieexperte Harald Proidl ein. Es gebe auch immer mehr Zertifikate aus erneuerbarer Energie.

74,99 Prozent der Nachweise stammten im Vorjahr aus Österreich. Rund ein Fünftel (22,16 Prozent) kam aus Norwegen, danach folgten Deutschland, die Schweiz, Schweden und die Niederlande. Graf rechnet künftig mit Zertifikaten aus Finnland und Slowenien und - durch den Umstieg auf erneuerbare Energieträger - vermehrt aus Deutschland.

Die Zahl der Unternehmen, die zu 100 Prozent Ökostrom anboten, ist im Vorjahr von 47 auf 56 gestiegen. Die Gesamtabgabemenge aller Ökostromanbieter (inklusive Landesenergieversorger, die reine Grünstromanbieter sind) hat sich mehr als verdoppelt und lag 2012 bei 9.184 Gigawattstunden (GWh). "Dieser Anstieg liegt hauptsächlich am Umstieg des Kärntner Landesenergieversorgers KELAG auf einen reinen Grünstrommix", erläuterte Proidl. Greenpeace und Global 2000 erwarten hier, dass der börsenotierte Verbund rasch nachzieht, da er Industriekunden noch immer 82 Prozent Graustrom und damit fast 30 Prozent Atomstrom verkaufe, hieß es heute in einer Aussendung. (APA, 3.9.2013)

  • Die Zahl der Unternehmen, die zu 100 Prozent Ökostrom anboten, ist im Vorjahr von 47 auf 56 gestiegen.
    foto: standard/christian fischer

    Die Zahl der Unternehmen, die zu 100 Prozent Ökostrom anboten, ist im Vorjahr von 47 auf 56 gestiegen.

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