Gewerkschafter begrüßen Demo der Junglehrer

Video2. September 2013, 23:07
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Die Initiative für ein faires Dienstrecht ist gegen Mehrarbeit für Lehrer und demonstrierte am Montag gegen den Gesetzesentwurf der Regierung

Am Montag protestierten in Wien ausgerechnet jene gegen das neue Lehrerdienstrecht, die davon besonders profitieren sollen: die Junglehrer. Der Gesetzesentwurf der Regierung, der derzeit ohne Zustimmung der Gewerkschaft begutachtet wird, sieht vor, dass Junglehrer künftig mehr verdienen als bisher. Das Einstiegsgehalt soll dann für alle Lehrer egal welchen Schultyps bei 2.420 Euro brutto liegen.

Die "Initiative für ein faires Dienstrecht für Lehrerinnen und Lehrer" befürchtet vor allem eine schlechtere Qualität bei der Betreuung der Schüler wegen einer höheren Unterrichtsverpflichtung, die ebenfalls vorgesehen ist. Deswegen demonstrierten rund 60 Junglehrer und Junglehrerinnen am Montag gegen den Entwurf.

Der Protest sei von Privatpersonen, "die für die Zukunft kämpfen", und nicht von der Gewerkschaft organisiert worden, sagt Melanie Stanek, eine Vertreterin der Initiative. Die Lehrergewerkschafter begrüßten im Gespräch mit derStandard.at allerdings die Aktion der Junglehrer. "Es freut mich, dass auch die angehenden Lehrer erkennen, was hinter dem Paket steckt, nämlich ein Sparpaket zulasten aller Schulpartner", sagte AHS-Gewerkschafter Eckehard Quin. Er selbst wollte aber nicht an der Demonstration teilnehmen, da er aus terminlichen Gründen verhindert sei. Auf Facebook ist Quin Mitglied der Gruppe der Initiative.

Auch Pflichtschulgewerkschafter Paul Kimberger, ebenso wie Quin von der Fraktion Christlicher Gewerkschafter, ging nicht demonstrieren, da er derzeit in Oberösterreich sei. Auch er begrüßt aber die Aktion. "Der Entwurf der Regierung entspricht nicht der Qualität, die man sich erhofft hat. Deswegen entstehen solche Plattformen", erklärte er. "Die Forderungen sind durchaus zu unterstützen." Proteste in Form von Streik stünden derzeit aber nicht zur Diskussion.

 Rund 60 LehrerInnen demonstrieren gegen das neue Lehrerdienstrecht

"Keine Gehaltsstreitigkeiten"

"Es ist jedem klar, dass es eine Reform geben muss, es kann nur nicht am Rücken der Schülerinnen, Schüler und Lehrer gemacht werden. Wir wollen uns auf keine Gehaltsstreitigkeiten einlassen. Wir möchten eine qualitativ hochwertige Ausbildung", sagt Stanek im Gespräch mit derStandard.at. Die Lehramtsstudentin stößt sich vor allem daran, dass die Unterrichtsverpflichtung für alle Lehrer auf 24 Stunden angehoben werden soll.

"Meine Fächer sind Deutsch und Englisch, die Vorbereitung und die Korrektur dafür sind sehr aufwendig", so Stanek. Derzeit gilt für Pflichtschullehrer eine Unterrichtsverpflichtung von 20 bis 22 Wochenstunden, für Lehrer an Bundesschulen sind es grundsätzlich 20, wobei aber etwa Schularbeitsfächer höher bewertet werden und de facto zu einer niedrigeren Stundenbelastung von bis zu 17 Stunden führen, Fächer wie Turnen zu einer höheren. "Alle sollen eine gleich hohe Unterrichtsverpflichtung haben. Das bedeutet, dass zum Beispiel in Sprachen zwei bis drei Klassen mehr unterrichtet werden sollen. Mehr Schüler pro Lehrer bedeuten auch, dass man weniger Zeit für den Einzelnen hat und sich das Betreuungsverhältnis verschlechtert", kritisiert Stanek.

Schlechtere Ausbildung befürchtet

Schon jetzt sei die Ausbildung an der Universität schlechter als früher, und die Qualität werde mit der neuen gemeinsamen Ausbildung für alle Lehrer noch weiter sinken, ist sie überzeugt. "Da kann das Niveau nur nach unten gehen. Es wird mehr auf Pädagogik wert gelegt, aber das nützt einem nichts, wenn das Fachwissen fehlt."

"Ein großes Fragezeichen" ist für Stanek auch, dass Lehrer und Lehrerinnen künftig befristet für Kollegen einspringen sollen - egal in welchem Fach oder in welchem Schultyp. "Ich bin eine Null in Naturwissenschaft. Wenn ich Schülern etwas erklären soll in Physik oder Chemie, dann sind sie arm." Die Regierung wünsche sich eine schnelle Lösung für den Lehrermangel. "Ich glaube, das ist keine gute Idee." 

"Ein derartiger Schmarrn"

Zu den aus seiner Sicht qualitativen Mängeln des Entwurfs präzisierte dann auch noch Fritz Neugebauer, Chef der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD), am Montag im ORF-"Report": "Dieses Gesetz ist ein derartiger Schmarrn." Aber wie Pflichtschullehrergewerkschaftschef Kimberger wollte auch Neugebauer nicht mit Streik drohen. (Text: Lisa Aigner, Video: Maria von Usslar/Katrin Grabner, derStandard.at, 2.9.2013)

  • Gewerkschafter Paul Kimberger unterstützt die Initiative.
    foto: apa/schlager

    Gewerkschafter Paul Kimberger unterstützt die Initiative.

  • Melanie Stanek: "Wir wollen uns auf keine Gehaltsstreitigkeiten einlassen. Wir möchten eine qualitativ hochwertige Ausbildung."
    foto: privat

    Melanie Stanek: "Wir wollen uns auf keine Gehaltsstreitigkeiten einlassen. Wir möchten eine qualitativ hochwertige Ausbildung."

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