"Portugal, mon amour": Beste Freunde aus dem tiefen Süden

2. September 2013, 07:25
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Französischer Komödienhit: In Ruben Alves' Komödie "Portugal, mon amour" wird mit Stereotypen humorvoll verfahren

Wien - Klischees sind zäh, langlebig. Der jugendliche Spross der Ribeiros, einer portugiesischen Einwandererfamilie in Paris, will etwa seinem Schwarm imponieren. Deshalb widerspricht er nicht, als man ihn fälschlicherweise für den Sohn eines Künstlers hält. In Wahrheit sind seine Eltern jedoch Hausmeisterin und Bauarbeiter. Das sind genau jene Berufsgruppen, mit denen man die fleißigen Einwanderer aus dem Süden in Frankreich assoziiert. Manchmal sind Klischees eben auch wahr.

In Ruben Alves' Komödie Portugal, mon amour (La cage dorée) wird mit Stereotypen wie diesem offensiv humorvoll verfahren. Die Ribeiros sind eine hart arbeitende Familie, bescheiden und selbstlos, von allen geschätzt. Als sie unverhofft ein Gut in Portugal erben, macht dies schnell heimlich die Runde: Keiner will Maria (Rita Blanco), das Herz eines bürgerlichen Wohnbaus im vornehmen 16. Arrondissement, und José (Joaquim de Almeida), den verlässlichen Vorabeiter, verlieren. Eine Welle aus freundlichen Hinwendungen überschüttet sie - nur die Ribeiros wissen nicht, warum.

Alves, selbst portugiesischer Herkunft, hat mit seinem Debüt offenbar einen Nerv getroffen, haben es in Frankreich doch bereits 1,5 Millionen Besucher gesehen. Flott, beinahe schon hektisch montiert, nimmt der sommerlich-leichte Film kulturelle Eigenheiten (und ihren oft einseitigen Blick darauf) aufs Korn - ein Erfolgsrezept, das schon Komödien wie Ziemlich beste Freunde zu nützen verstanden. Sympathisch ist dies allemal: Die Arbeiterklasse muss sich nicht selbst verleugnen, sondern findet über kleinere Umwege wie einen Fado zurück zu Selbstbewusstsein. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD, 2.9.2013)

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  • Ausgelassene Portugiesen in "Portugal, mon amour".
    foto: polyfilm

    Ausgelassene Portugiesen in "Portugal, mon amour".

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