"Wir sind das Zapferl gegen Stillstand"

31. August 2013, 11:21
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Die Neos wollen in den Nationalrat. Nicht nur: Die Reiseroute der jungen Partei weist in Richtung Europa

Wien - Es war ein Ort, der zu Neos passt: Die Pink Party zum Auftakt der heißen Phase des Wahlkampfs fand Freitagabend in der "Aula der Wissenschaften" in Wien statt. Motto: "Pink Revolution". Und diese Location stand Neos gut, hatte doch Parteigründer Matthias Strolz im Standard-Sommergespräch die Partei "aus der Mitte der Gesellschaft" so beschrieben: "Wir haben auch Arbeiter dabei, Bauern, Hausfrauen, aber ja, wir sind stark intellektuell getrieben, was uns logisch erscheint."

Also ab jetzt noch vier Wochen für vier Prozent. Dann wären sie drin im Nationalrat, die "Pinken", deren Partei "Neos - Das neue Österreich" von Matthias Strolz im Oktober 2012 gegründet wurde. Freitagabend inszenierten die Neos ihren Wahlkampfauftakt - das Publikum reichte von kleinen Kindern bis zu "Omas und Opas", von denen die neue Partei, die sich als "das Sprachrohr der nächsten Generation versteht", auch "jede und jeden braucht", obwohl und weil sie eben auch "Schluss mit der Pensionslüge" machen will, sagte Neos-Chef Matthias Strolz, der das runde, etwas erhöhte Podium in der "pinkifizierten" Aula bei seinem Auftritt immer wieder verließ und mit dem Publikum auf Tuchfühlung ging, wissend, wie so ein großes Auditorium effektvoll zu bespielen ist.

Für die große Pink-Show wurde sogar ein Kamerakran aufgeboten, es gab an moderne Pop-Videos angelehnte Filme mit Split-Screen-Szenen und hipper Musik sowie pinke Cocktails und als Deko an die 1000 pink besprühte österreichweit gesammelte Zapfen.

Zuerst gehörte die Bühne der Frau hinter Strolz. Angelika Mlinar, Vorsitzende des Liberalen Forums (LiF) und Nummer zwei auf der Neos-Wahlliste, die Neos nicht nur liberale Wähler bringen soll, sondern auch ein wertvolles Mitbringsel für die Wahlplattform "der vernünftigsten Kräfte in diesem Land", zu der auch die Jungen Liberalen (Julis) und die Online Partei Österreichs (OPÖ) gehören, lieferte: einen großzügigen Sponsor, den Bauindustriellen Hans Peter Haselsteiner. "Unser Plan: Wir holen uns den Staat zurück" wurde heftig akklamiert.

Dann kam ein Stargast, der symbolisch für die weiteren Zukunftspläne der Neos steht: Der Brite Sir Graham Watson, Präsident der "Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa" im EU-Parlament, feierte in perfektem Deutsch die "Pink Vibrations": "Entreißt Österreich der schwarz-roten Umklammerung. Dynamische offene Gesellschaften leben von Bildung, Steuergerechtigkeit und Altersversorgung. Dafür steht Neos. Was Liberale eint, ist gefühlte und gelebte Freiheit - und wir brauchen euch im EU-Parlament."

Wunder geschehen

Genau dort will Neos schon 2014 hin. Davor aber ist die erste Station des Projekts Pink zu erreichen: "Es geht darum, am Gipfel anzukommen. Er ist in Sichtweite", sagte Strolz vor rund 1000 Anhängern erfolgssicher: "Diese Kraft kommt am 29. September ins Parlament." Denn, und dazu ließ der Neos-Gründer Nena via CD singen: "Wunder geschehen ...".

Dann sei Schluss mit Lehrerdienstrechtsverhandlungen, die über 13 Jahre gehen "und dann haben wir noch immer keines", sagte Strolz: "Das geht so nicht." Oder: Eine 13-mal höhere Parteienfinanzierung pro Kopf als in Deutschland. Geht auch nicht mit Neos. Oder dass Bildung vernachlässigt und weiter die Zukunft der Jungen verspielt werde. Nicht mit Neos. Und da kamen die "pinkifizierten" Deko-Zapfen auf den Stehtischen ins Strolz'sche Spiel: "Wir sind das Zapferl gegen Stillstand." Und wenn das nicht hilft: "Der Stachel für diese Regierung". (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 31.8.2013)

  • Das "neue" Österreich soll mit liberaler Hilfe realisiert werden. In der "pinkifizierten" Aula der Wissenschaften zeigte sich Neos-Gründer Matthias Strolz beim Wahlkampfauftakt erfolgssicher.
    foto: standard/corn

    Das "neue" Österreich soll mit liberaler Hilfe realisiert werden. In der "pinkifizierten" Aula der Wissenschaften zeigte sich Neos-Gründer Matthias Strolz beim Wahlkampfauftakt erfolgssicher.

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