Töchterle lässt neue Möglichkeiten für Uni-Hürden prüfen

30. August 2013, 12:52
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Um weniger deutsche Studenten zulassen zu müssen, soll Ansässigkeit ein Kriterium werden

Wien - Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle überlegt neue Hürden, um weniger deutsche Studenten an österreichischen Universitäten zulassen zu müssen. Er lässt derzeit in seinem Ressort prüfen, ob die "Ansässigkeit" ein möglicher Ansatzpunkt dafür ist. "Man könnte sagen: Wer seit zumindest fünf Jahren in Österreich ansässig ist, wird beim Studienplatz in irgendeiner Weise bevorzugt", sagte Töchterle in den "Salzburger Nachrichten" vom Freitag.

"Schieflagen" an einigen Standorten

Grundsätzlich hält Töchterle Mobilität für "ein hohes Gut, und ausländische Studierende sind uns sehr willkommen", wie er in einem vom Ministerium am Freitag veröffentlichten Statement betont. Es gebe aber "in einigen wenigen Fächern an manchen Standorten Schieflagen". Als Beispiel nannte er den Andrang deutscher Erstsemestriger an der Psychologie in Salzburg und Innsbruck sowie Sportwissenschaft, Ingenieurwissenschaft, Geografie und Publizistik in Salzburg.

"Es geht darum, diese Schieflagen auszugleichen und auch die Chancen zu erhöhen, dass Absolventen nach ihrem Studium in Österreich bleiben. Daher wäre in Studien mit Schieflagen ein Prinzip der Zulassung stimmig, das einem gewissen Nahebezug zu Österreich Rechnung trägt", so Töchterle. Er lässt Möglichkeiten prüfen, "die sowohl den Interessen der österreichischen Studierenden als auch dem EU-Recht entsprechen". Natürlich würde das auch mit der Europäischen Kommission erörtert werden.

Töchterle: Regelung könnte von EU akzeptiert werden

Töchterle meint, Europarechtler hielten es nicht für ausgeschlossen, dass dieser Weg von der EU akzeptiert werde. Schließlich könnte es bald einen Mangel an Psychologen geben, wenn vornehmlich Studenten ausgebildet würden, die nach dem Studium nach Deutschland zurückkehren. Zudem befürchtet Töchterle, dass es "zu keiner positiven Stimmung in und für Europa beiträgt", wenn Salzburger oder Innsbrucker gar nicht mehr in ihrer Heimatstadt Psychologie studieren könnten.

"Das pauschale Ziel, möglichst viele Leute zu akademisieren", hält Töchterle für falsch. Es sei ein Irrtum, dass sozialer Aufstieg ausschließlich über die Universitäten führe. Man müsse sich nur die prekären Einkommens- und Beschäftigungsverhältnissen vieler junger Uni-Absolventen ansehen, während Facharbeiter dringend gesucht und gut bezahlt würden. Das Argument, Bildung werde vererbt, lässt Töchterle nur bedingt gelten: Wenn man beklage, Arbeiterkinder hätten weniger Chancen zu studieren, "könnte man antworten: Akademikerkinder haben weniger Chancen, Facharbeiter zu werden." Das müsse man sogar sagen, "würde man die Berufe des Akademikers und des Handwerkers endlich als gleichwertig ansehen". (APA, 30.8.2013)

  • "Das pauschale Ziel, möglichst viele Leute zu akademisieren", hält Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle für falsch.
    foto: dpa/jan-philipp strobel

    "Das pauschale Ziel, möglichst viele Leute zu akademisieren", hält Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle für falsch.

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