Wirtschaft wächst, Rekord bei Arbeitslosigkeit

30. August 2013, 15:15
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Trotz leichter Aufhellung der Stimmung in der Wirtschaft kämpft sich die Eurozone nur mühsam aus der Rezession heraus

Berlin/Brüssel - Weniger Arbeitslose, weniger Inflation und bessere Wirtschaftsstimmung: Die Konjunktur in der Eurozone zieht merklich an und dürfte vor allem der Europäischen Zentralbank in die Karten spielen. Denn Experten rechnen nun kaum noch damit, dass die EZB ihre Leitzinsen weiter senken muss, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Die Daten vom Freitag machen aber auch deutlich, dass die Erholung in der Eurozone längst nicht gesichert ist. Denn die bessere Stimmung bei Unternehmen und Konsumenten schlägt sich nur ganz langsam auf dem Arbeitsmarkt nieder. Im Juli sank die Arbeitslosenzahl zwar minimal um 15.000 Personen und den zweiten Monat in Folge. Die um jahreszeitliche Schwankungen bereinigte Arbeitslosenquote hingegen verharrte auf dem Rekordwert von 12,1 Prozent.

"Erschreckend hoch"

"Das Niveau ist damit weiterhin erschreckend hoch", sagte Postbank-Ökonom Heinrich Bayer. Der Abwärtstrend auf dem Arbeitsmarkt sei aber wohl gestoppt. 19,23 Millionen Männer und Frauen in der Eurozone hatten im Juli keinen Job. Das waren gut eine Million mehr als vor einem Jahr, wie das Statistikamt Eurostat mitteilte.

Die Konjunktur in der Eurozone kämpft sich derzeit mühsam aus der Rezession heraus. Die Wirtschaft in den 17 Euroländern war zwischen April und Juni erstmals nach sechs Quartalen wieder gewachsen. Grund dafür waren vor allem Impulse von den Schwergewichten Deutschland und Frankreich. In anderen Staaten wie Italien, Spanien und den Niederlanden schrumpfte die Wirtschaft nach wie vor, wenn auch langsamer. Unübersehbar ist diese Kluft auch auf dem Arbeitsmarkt: Österreich mit 4,8 Prozent, Deutschland mit 5,3 Prozent und Luxemburg mit 5,7 Prozent weisen die niedrigsten Arbeitslosenquoten auf, Griechenland mit 27,6 Prozent (im Mai) und Spanien mit 26,3 die höchsten.

Aufgehellte Stimmung in der Wirtschaft

Derweil hellte sich die Stimmung der Wirtschaft in der Eurozone im August den vierten Monat in Folge auf. Das Barometer stieg um 2,7 auf 95,2 Punkte. Der separat ermittelte Geschäftsklimaindex verbesserte sich von minus 0,52 auf minus 0,21 Zähler. "Der bis vor kurzem ausgeprägte Pessimismus ist damit auf breiter Front auf dem Rückzug", sagte Postbanker Bayer. "Dies macht Hoffnung, dass die Unternehmen im Euroraum allmählich wieder ihre Investitionen und die Verbraucher ihre Konsumausgaben steigern und dadurch die Binnennachfrage wieder festeren Boden unter den Füßen bekommt."

Von der Preisfront haben die Konsumenten derzeit kaum Gegenwind zu befürchten. Denn die Inflation in der Eurozone sinkt trotz teurerer Lebensmittel insgesamt spürbar. Waren und Dienstleistungen kosteten im August durchschnittlich nur 1,3 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Teuerungsrate sackte damit nach 1,6 Prozent im Juli auf den tiefsten Stand seit April. Die EZB spricht bei Werten von knapp zwei Prozent von stabilen Preisen. Weit überdurchschnittlich verteuerten sich Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak mit 3,3 Prozent. Die oft stark schwankenden Preise für Energie sanken dagegen um 0,4 Prozent, während sich Dienstleistungen um 1,5 Prozent verteuerten.

Keine Zinssenkung

Die Währungshüter um EZB-Chef Mario Draghi hatten bis auf Weiteres ein niedriges Zinsniveau versprochen und beraten nächste Woche erneut über ihre Geldpolitik. "Die EZB dürfte vor diesem Hintergrund wohl kaum noch eine weitere Zinssenkung vornehmen", sagte NordLB-Fachmann Christian Lips. Wegen der schwächelnden Konjunktur hatte die Zentralbank ihren Leitzins im Mai auf das Rekordtief von 0,5 Prozent gesenkt. Analyst Martin van Vliet von Global Economics betonte, die Erholung bleibe anfällig für neue Konjunkturschocks. Dazu gehörten ein Aufflammen der Eurokrise, eine deutliche Abkühlung der Weltwirtschaft wegen schwächelnder Schwellenländer oder steigende geopolitische Spannungen. (Reuters, 30.8.2013)

  • In puncto Arbeitslosigkeit zeigt sich im Euroraum eine große Kluft zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten.

    In puncto Arbeitslosigkeit zeigt sich im Euroraum eine große Kluft zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten.

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