Rausch wächst abseits der Massenproduktion

29. August 2013, 21:50
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Der Naturkosmetikhersteller Rausch setzt auf gute Inhaltsstoffe und expandiert weltweit in Nischen

Wien - Mit Kräutern für Shampoos und Cremen sei es wie mit einem guten Wein, sagt Marco Baumann. Der Boden für den Anbau müsse frei von Schwermetallen und Pestiziden sein, der Dünger naturbelassen. Von Hand geerntet werde vieles und, um Verunreinigungen zu verhindern, alles händisch verlesen. Schließlich wolle er nicht noch einmal ein Rehkitz in einer Lieferung entdecken. Bis seine aus den Kräutern gewonnenen Extrakte dann bereit für die Verarbeitung seien, reiften sie zwischen drei bis elf Monaten in Tanks im Keller.

Baumann führt seit 45 Jahren in zweiter Generation den Naturkosmetikhersteller Rausch. Sein Vater hat den Betrieb vom deutschen Gründer übernommen, der Ende des 19. Jahrhunderts mit Haarwasser groß geworden war. Baumann, mittlerweile selbst 67 Jahre alt, expandierte von Kreuzlingen am Bodensee aus mit 160 Mitarbeitern in 26 Länder und ist mit seiner Kosmetik in knapp 17.000 Apotheken vertreten. Österreicher zählt er zu seinen treuesten Kunden.

Die Spielregeln der Massenproduktion hat der Schweizer nie übernommen. Mehr als 70 Prozent aller Shampoos und Cremen würden mittlerweile in Lohnfertigung auf Basis von Standardrezepturen erzeugt, sagt er. Die Verpackung sei meist schön und teuer, bei Inhaltsstoffen werde gespart. Neun von zehn der neuen Produkte erlebten ihr viertes Jahr nicht. Er jedenfalls ziehe da nicht mit.

Das Angebot, seine Fabrik von der Schweiz in das kostengünstigere Polen zu verlegen, hat er abgelehnt, obwohl man ihm dort mit all den Steuerprivilegien fast Diplomatenstatus gewährt hätte, erinnert sich Baumann. "Die Jobs bleiben hier." Anders ließe sich Qualität auf Dauer nicht sicherstellen.

In Apotheken groß geworden

Einfacher geworden ist das Geschäft mit der Schönheit nicht. Rausch ist mit Fachhändlern und Apotheken gewachsen. Doch Erstere sind einigen wenigen Drogerieketten gewichen. Die Apotheker wiederum deckten vor 30 Jahren fast elf Prozent des Marktes für Haarpflege ab, heute sind es in Deutschland weniger als drei Prozent, rechnet Baumann vor. Und obwohl er ihnen Exklusivität garantiert habe, hätten nur wenige unter ihnen diese aktiv genutzt. Er stellte sich daher, "um nicht in Schönheit zu sterben", breiter auf.

Neben DM bedient Rausch etwa den Drogeriekonzern Müller. "Wir sind nichts für die breite Masse." Doch für Nischenanbieter im Premiumbereich sei in der Regel auch in großen Handelsketten Platz.

Die zunehmenden Preissprünge bei Rohstoffen an sie weiterzugeben spiele es dennoch nicht. Der Familienbetrieb kauft - angefangen von Birkensaft - vieles bei regionalen Landwirten ein. Zinnkraut etwa bauen Ungarn an, Salbei die Spanier und Panamarinde Südamerikaner. Doppelte Preise innerhalb kurzer Zeit seien heute gang und gäbe - und Glycerin wie Öle, da an der Börse gehandelt, zusätzlich spekulationsgetrieben.

Teurer Franken

Auch der teure Franken im Vergleich zum Euro lasse die Kosten davongaloppieren. "Wir müssen das selber abfedern, indem wir etwa die Logistik verbessern und Durchlaufzeiten verkürzen."

Gewinn erzielt Rausch eigenen Angaben zufolge nach wie vor, im Export stiegen die Umsätze. Allein Krisenländer wie Portugal lassen aus. Dort seien tausende Apotheken bedroht, die den Bedarf nicht mehr finanzieren können, erzählt Baumann. Es sei eine besorgniserregende Entwicklung.

Die Marke Rausch sei sein Lebenswerk, sagt er. Seit einem Jahr gehe ihm einer seiner Söhne zur Hand, und es zeichne sich ab, dass Rausch in Familienhand bleibe. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 30.8.2013)

  • Preise für handverlesene Kräuter machen große Sprünge.
    foto: rausch

    Preise für handverlesene Kräuter machen große Sprünge.

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