Musikalische Huftiere und kein Ring

29. August 2013, 17:50
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Eine Gruppe von sechs maskierten Straßenmusikern narrt mit einem sympathischen Schmäh die Wiener: Die Passanten glauben, einem hochtalentierten Multiinstrumentalisten zu lauschen - dabei wechseln sich die Musiker bloß rasch ab

Wien - Wie viele Instrumente er denn sonst noch spiele? "Nur eines. Dieses da: Keyboard." Aber natürlich weiß der junge Mann mit der Pferdemaske, woher die Frage kommt. "Wir sind in Wirklichkeit sechs", verrät er lachend, in fehlerlosem, aber von einem starken osteuropäischen Akzent geprägten Englisch und ohne die Maske abzusetzen. "Drei von uns spielen Keyboard, einer Violine, einer Gitarre und einer Perkussi­onsinstrumente und Schlagzeug."

Freilich: Das bekommt so kaum jemand mit. Denn dort, wo in Wien Straßenmusiker spielen dürfen (oder es einfach tun, bis sich jemand beschwert), gehört der Pferdemann zum Stadtinventar. Ge­nauer: die sechs Pferdemänner - was aber für das Publikum kaum merklich ist. Denn musiziert wird immer nur allein.

Denn darauf basiert das Konzept der sechs: Jeder spielt gut. Aber das tun viele Straßenmusiker. Darüber hinaus wechseln sich die Maskierten aber oft ab. Für Passanten wirkt das so, als würde der Mann, der vor zehn Minuten noch Gitarre gespielt hat, plötzlich auch gut trommeln.

Ob vorhin ein Pferd musizierte oder doch ein Zebra jammte, weiß da kaum einer mehr – doch die Vielseitigkeit macht freigiebig.

Trotzdem wird da nicht einer reich: Das Geld wird durch sechs geteilt - und ernährt weit mehr Menschen. "Unsere Familien in Polen leben von dem, was wir hier verdienen."

Den Trick mit den Masken ergänzen die Herren um einen weiteren netten Schmäh: "Ich brauche Geld für einen Verlobungsring", steht auf dem Zettel neben dem Spendentopf.

Geld für einen oder sechs Ringe? Das Pferd wiehert vergnügt: "Für gar keinen - aber der Verlobungsring funktioniert super. Die Leute finden es romantisch. Ich glaube nicht, dass es jemanden stört, dass wir ein Märchen erzählen: Es glaubt ja auch keiner, dass ich in Wirklichkeit ein Pferd bin." (Thomas Rottenberg, DER STANDARD, 30.8.2013)

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