Komplett verlötet

Ansichtssache29. August 2013, 17:43
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Mittwoch war Staffelende bei "Der letzte Bulle". Es ging um Mord, Bücher und um Sex. Ein klarer Fall für Mick Brisgau, bei Ersterem und Letzterem ist der blonde Hüne zu hundert Prozent sattelfest. 

foto: orf/sevenone international/frank dicks

Mick (Henning Baum) ist ein Mann, ein richtiger Mann: stark wie ein Bär, mit Muskeln zum Anfassen, verfügt über eine gut sortierte Auswahl an karierten Hemden, bevorzugt zum Frühstück rohe Eier und zum Abendessen Grillgut vom offenen Feuer. Zu Frauen hat er ein lässig-lockeres Verhältnis, dem Überschuss an Testosteronangebot kann sich kaum eine Frau entziehen. Das sich daraus ergebende Platitüdenorchester wird Folge für Folge rauf und runtergespielt.

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foto: orf/sevenone international/martin rottenkolber

Eine Botschaft, dass Lesen lebensgefährlich sein kann, überrascht in dem Zusammenhang  nicht wirklich, noch dazu, wenn die  ermordete Bibliothekarin sexsüchtig war! Da kann der entlehnwillige Brillenträger noch so ernsthaft nach dem guten Buch suchen: wenn die Verleiherin beim Einscannen "Sie gefallen mir" schnurrt, kann die Hand schnell am Busen liegen: Wissen macht Ah! Und danach: "Danke, das war’s."  Derart abgeschasselt zu werden, müsste als Mordmotiv für jeden Testosteronträger reichen, aber obacht, das ist ein Krimi für die weibliche Zielgruppe: Keinem Mann soll hier ein Leid geschehen! 

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foto: orf/sevenone international/martin rottenkolber

Der Einschätzung der Chefin - "Sie war eine Bibliothekarin, wie man sie sich wünscht" -  ist zu misstrauen, ebenso dem Versprechen Micks, eine ganze Woche auf Sex zu verzichten: "Wenn ich eine Frau sehe, dann scan ich die ab, von oben bis unten und stell’ mir vor, wie ich die komplett verlöte."  Das war aber wieder nicht echt, Mick spielt auf sexsüchtig. Die Wette verliert er trotzdem. Irgendwie aber wieder nicht, egal: Ein Mann ist ein Mann. Ah! (Doris Priesching, DER STANDARD, 30.8.2013)

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