Ist Stronach ein Steuervermeider?

Blog29. August 2013, 14:47
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Weil der Parteigründer nicht sagt, wie viel er in der Schweiz versteuert, bleibt der Verdacht gegen ihn bestehen

Es freut zu hören, dass Frank Stronach rund eine Million Euro im Jahr an den österreichischen Fiskus abliefert, insgesamt 19 Millionen Euro seit 1998. Das ist in absoluten Zahlen sehr viel, aber der Unternehmens- und Parteigründer ist auch sehr reich.

Aber Frank Stronach hat in seiner Pressekonferenz am Donnerstag die viel interessantere Frage nicht beantwortet: Welchen Anteil seines jährlichen Einkommens versteuert er überhaupt, in irgendeinem Staat der Welt? Entspricht sein Steuersatz dem von anderen Superreichen, die normal in einem Land leben, oder nutzt er seine internationalen Lebensumstände dafür, insgesamt weniger zu bezahlen?

Wie Google und Amazon?

Trifft das Letztere zu, hat Stronach akuten Erklärungsbedarf. Dann folgt er dem Vorbild von Konzernen wie Google, Amazon und Starbucks, die über die weltweite Verschiebung von Gewinnen die Staaten um wichtige Steuereinnahmen bringen. Dann ist er kein Steuerhinterzieher - er handelt ja legal -, aber ein Steuervermeider.

Dass Stronach zumindest bis ins Jahr 2012 einen guten Teil seines Einkommens in Kanada versteuert hat, ist noch nachvollziehbar. Schließlich hatte er dort lange Jahre seinen Lebensmittelpunkt - und hat ihn möglicherweise immer noch.

Kanada ist keine Steueroase. Der Einkommensteuersatz für Spitzenverdiener beträgt in Ontario 42 Prozent - 29 Prozent vom Bund und 13 Prozent von der Provinz. Das ist für Unternehmer, die hierzulande nicht vom Jahressechstel profitieren, etwas weniger als der Spitzensteuersatz in Österreich (50 Prozent), aber immer noch recht hoch.

Niedrigsteuerparadies Zug

Allerdings hat Stronach auch einen Wohnsitz in der Schweiz, und dort im Niedrigsteuerkanton Zug. Dort beträgt der maximale persönliche Einkommensteuersatz 22 Prozent. Und das ist schon deutlich weniger als in Österreich.

Um seine Steuerehrlichkeit darzulegen, müsste Stronach bekanntgeben, welchen Anteil seines jährlichen Einkommens er in der Schweiz versteuert. Tut er das nicht, bleibt der Verdacht bestehen, dass er Einnahmen nach Zug verschiebt, um Steuern zu sparen.

Und im entscheidenden Punkt irrt Stronach: Bei einem Spitzenpolitiker ist das keine Privatsache - sondern die Antwort auf die Frage, ob er die selbst verkündeten Werte Wahrheit, Transparenz und Fairness erfüllt oder nicht. (Eric Frey, derStandard.at, 29.8.2013)

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    foto: apa/techt
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