Musikrundschau aus drei Welten

29. August 2013, 17:19
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Neue Alben von Ras G And The African Space Program, Tamikrest und White Lies

RAS G AND THE AFRICAN SPACE PROGRAM Back On The Planet (Brainfeeder/ Hoanzl) Ras G ist im Vergleich zu anderen Acts des in Los Angeles beheimateten Brainfeeder-Labels wie The Gaslamp Killer, Thundercat oder Flying Lotus das bisher unauffälligste Produkt. Die lose auf nervigen Beats und Samples aus der Jazz- und House- und HipHop-Geschichte beruhenden Tracks, die dazwischen auch noch bei Fusion und Jazzrock Station machen, um dann auch noch im Sinne Neuer Musik und Schlagmichtot Karlheinz Stockhausen aufzuwühlen, sind sicher eine feine Sache.

In einer Welt, die zulässt, dass in ihr Querflöten hupen, Soulmusik als Hanf-Soundtrack verstanden wird oder Joe Zawinuls Weather Report als das heißeste Ding gilt, seit der Synthesizer einst für Christian Kolonovits und den Austropop erfunden wurde, regiert die Musik dieser Platte. Eine Nummer trägt den Titel "Cosmic Lounge Kisses". Das gefährlichste Album des Jahres. Wer diese Musik hört, wird danach ein anderer Mensch sein. Überlegen Sie gut, ob Sie das wollen.

TAMIKREST Chatma (Glitterbeat/Hoanzl) Einige Zeit war die Band aus Mali aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen in ihrer Heimat verschollen. Nun feiern die Musiker aus der Sahara wieder die Vermählung von Bluesmusik, bevor sie nach Nordamerika kam, und zeitgenössischen Rockklängen aus den Transistorradios. Gern werden Tamikrest mit den Rolling Stones verglichen, wenn diese sich selbst noch ernst nehmen würden. Ist egal. Das ist wunderbar getragene, selbstbewusste und erhabene Musik, die von Album zu Album von gleichbleibender hochwertiger Qualität ist. Als Neuigkeit versteckt sich dieses Mal im Wüstenrock ein Reggaerhythmus.

WHITE LIES Big TV (Fiction) Wenn eine Band beim Thema Radio und Fernsehen angelangt ist, konnte man schon in den 1980er-Jahren darauf vertrauen, dass hier jede Menge kritisches Bewusstsein im Hallnebel ersäuft. "Alone, I feel alone" singen White Lies im Titellied, während sie vor der Glotze sitzen und alten Föhnwellen-New-Wave von Duran Duran hören - oder A Flock Of Seagulls. Kein Geld für ordentliches Make-up, aber Haartaft immer genug im Haus. Musik ist etwas Schreckliches.   (schach, Rondo, DER STANDARD, 30.8.2013)

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