Windows-8-Artikel: Microsoft geht gegen "Zeit Online" vor Gericht

29. August 2013, 11:10
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Einstweilige Verfügung durchgesetzt - Medium will sich zur Wehr setzen

Die Online-Redaktion der deutschen Wochenzeitung "Die Zeit" hat vor wenigen Tagen einen Artikel zu Windows 8 veröffentlicht. Dieser basierte auf einem Papier des Deutschen Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und einem internen Dokument des deutschen Wirtschaftsministeriums. Er trug die Überschrift "Bundesregierung warnt vor Windows 8".

BSI distanziert sich

Dieser sorgte für einige Aufregung und eine Distanzierung seitens der Behörde, die ihr Dokument ausdrücklich nicht als Warnung vor Windows 8 verstanden sehen wollte, sondern - im Gegenteil - feststelle, dass das neueste Betriebssystem von Microsoft für einige gar ein Plus an Sicherheit bedeuten könnte (der WebStandard berichtete).

Kritik an TPM

In der Tat befasst sich das Papier nicht hauptsächlich mit Windows 8, sondern mit der Kombination mit der Trusted-Plattform-Technologie. Die neue Spezifikation 2.0 für die Module sieht vor, dass diese standardmäßig eingeschaltet sein müssen. Das war bisher nicht der Fall, und viele Computerhersteller hatten darauf verzichtet.

Die "Zeit Online", so zitiert Heise, lieferte am selben Tag einen Artikel mit weitere Zitaten aus dem BSI-Dokument. Unter anderem heißt es darin, dass Windows 8 und 8.1 "in der Bundesverwaltung nicht einsetzbar" seien. Der Text selbst beinhaltet auch die Stellungnahme des BSI und trägt die Überschrift "Bundesamt hält Windows 8 nicht für gefährlich". Dort gibt man das BSI-Papier mit den Worten wieder, dass zwar der Geheimdienst Windows 8 eher nicht nutzen sollte und das System auch "in der Bundesverwaltung nicht einsetzbar" sei, TPM 2.0 für den Privatnutzer aber ein "enormes Plus" an Sicherheit biete.

Microsoft erwirkt Verfügung

Microsoft hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine einstweilige Verfügung gegen den Ursprungsartikel angestrebt. Da die "Zeit" sich "auf dem kurzen Dienstweg" geweigert hatte, dessen Überschrift zu ändern und die Behauptung, Regierungsexperten würden in Windows 8 ein "inakzeptables Sicherheitsrisiko" sehen, zu streichen, sah die Chefanwältin von Microsoft Deutschland keine Alternative zum Rechtsweg, wie es in einem Technet-Eintrag heißt.

Der Verfügung wurde hinsichtlich der Überschrift und besagter Behauptung stattgegeben. In einem dritten Punkt, der Verkürzung des BSI und des Wirtschaftsministeriums auf "Bundesregierung", wurde kein Verstoß geortet. Die "Zeit" hat den ersten Text nun durch einen knappen Hinweis ersetzt, in dem sie juristische Gegenwehr ankündigt. Über einen Hamburger Anwalt wurde bereits Einspruch gegen die Verfügung eingelegt. (red, derStandard.at, 29.8.2013)

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    Microsoft erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen die "Zeit Online" aufgrund eines Windows-8-Artikels, der nun vom Netz genommen wurde.

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