Optimus G Pro: LGs Galaxy-Note-Alternative im Kurztest

6. September 2013, 15:49
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Schnell, gute Kamera, starker Akku - jedoch alte Betriebssystemversion und problematische Oberfläche

Mit gut einem halben Jahr Verspätung – gelauncht wurde das Smartphone immerhin schon vergangenen Februar – hat der koreanische Elektronikhersteller LG das Android-Smartphone Optimus G Pro nach Österreich gebracht. Der WebStandard hat die Alternative zu Samsungs Galaxy Note-Reihe einem Kurztest unterzogen.

Klobiges Telefon mit guter Hardware

Was bereits beim Auspacken des Geräts auffällt, ist, dass LG mit dem G Pro einen ordentlichen "Klotz" produziert hat. Trotz eines relativ dünnen Randes führt das Display mit 5,5 Zoll Diagonale notwendigerweise zu üppigen Maßen von 150,2 x 76,1 Millimetern. Mit 9,4 Millimeter Dicke fällt es immerhin einigermaßen schlank aus. 172 Gramm wiegt das Telefon. Am unteren Rand finden sich kapazitive Tasten für Einstellungen und Zurück-Funktion als auch der haptische Homebutton, der von der Benachrichtigungsleuchte umringt wird.

Unter der Haube steckt die Snapdragon-600-Plattform, die einen mit 1,7 GHz getakteten Quadcore-Prozessor mitbringt. Dazu packt LG zwei GB Arbeitsspeicher. Käufer dürfen zwischen 16 und 32 GB Onboardspeicher wählen. Das Testgerät war die kleinere Variante, effektiv standen etwas mehr als zehn GB für Nutzerinhalte zur Verfügung.

Tauschbarer Akku und microSD-Slot

Wem selbst das 32-GB-Modell nicht genug Freiraum bietet, kann selbst nachrüsten. Lobenswerterweise lässt sich die hintere, leider Fingerabdruck-anfällige und billig aussehnde) Abdeckung des Phablets abnehmen, dahinter verbergen sich neben dem microSIM-Slot auch ein microSD-Steckplatz und der austauschbare Akku mit 3.140 mAh. LG verspricht eine Standbyzeit von bis zu 550 Stunden im 3G-Betrieb und 21 Stunden Sprechzeit (LTE wird in Österreich über das 2.600-MHz-Band unterstützt, wurde aber nicht getestet).

In der Praxis kommt man bei durchschnittlicher Nutzung (Multimedia, Browser, Produktiv-Apps, Casual Games) problemlos vom Morgen bis in den Spätabend. Geht man etwas sparsamer mit dem Gebrauch um und achtet auf niedrige Displayhelligkeit, sind auch anderthalb Tage möglich. "Ingress"-Spieler können sich zumindest 2,5 Stunden an der virtuellen Realität erfreuen, ehe ein externer Akku oder die Steckdose aushelfen müssen.

Ordentliches Display, gute Performance

Das Display liefert 1.920 x 1.080 Pixel mit kräftigen Farben und guter Helligkeit, schwächelt aber bei der Darstellung von sehr dunklen Farben und Schwarz. Soweit sich dies von Ladevorgängen mit einem externen Akku über zwei verschiedene Ausgänge (ein und zwei Ampere) feststellen ließ, dürfte der Bildschirm für seine Größe relativ sparsam arbeiten.

Die Hardware kommt in Benchmarks auf gute Werte. Der Universaltest AnTuTu bescheinigt dem Optimus G Pro etwas mehr als 19.000 Punkte. Das liegt knapp über dem Niveau des Nexus 4 sowie der kleineren, Snapdragon-400-basierten Variante, dem Optimus G. Der HTML5-Durchlauf mit Vellamo bewertet das LG-Gerät mit rund 2.500 Zählern, womit selbst das Galaxy S4 klar abgehängt wird. Im 3D-Performance-Test mit "Epic Citadel" liefert das Phone absolut flüssige 58 Frames pro Sekunde im Schnitt.

In der Praxis spiegelt sich dies gut wieder. Sowohl die Oberfläche als auch diverse Apps funktionieren flüssig und mit knackigen Ladezeiten.

Android 4.1 und Problemfall LG-UI

Eher problematisch sind jedoch zwei andere Punkte: Ein Dreivierteljahr nach der Veröffentlichung von Android 4.2 und einen Monat nach dem Release von 4.3 läuft das Optimus G Pro immer noch mit der ersten Iteration von Android "Jelly Bean", 4.1. Mit einem Update ist wohl zu rechnen, wer aber jetzt schon eine aktueller Version nutzen möchte, ist auf Custom ROMs angewiesen.

Auf diesem Wege könnte man sich auch das Erlebnis der LG-eigenen Systemoberfläche ersparen. Diese versprüht nämlich, trotz ein paar Anpassungsmöglichkeiten, auch heute noch das Flair von Android 2.3. Die Sortiermöglichkeiten im Appdrawer sind immerhin hilfreich, hier lehnt sich LG offensichtlich an Samsungs TouchWiz an. Andere Implementationen, wie der unübersichtliche Notification-Screen, fallen eher in die Kategorie "Fehlschlag".

Gute Kamera

Auch andere Funktionen sind vom großen Konkurrenten am Heimatmarkt inspiriert, etwa bei der Kamera. LG bietet beispielsweise nun auch die Verwendung beider Kameras für Bild-in-Bild-Aufnahmen oder die Möglichkeit an, bei Momentaufnahmen auch einen kurzen Zeitabschnitt vor dem Betätigen des Auslösers zu "cachen".

Die Kamera selbst reagiert schnell und liefert bei mittelmäßigen bis guten Lichtverhältnissen ansprechende Aufnahmen mit maximal 13 Megapixel. Nachtaufnahmen fallen ähnlich verrauscht aus, wie bei den meisten Geräten, das Objektiv erweist sich aber immerhin als einigermaßen lichtstark.

Quick Memo

Grundsätzlich eine nette Idee ist Quick Memo. Über einen eigenen Knopf kann man auf jedem Bildschirm Notizen machen und später abrufen. Die Form der Eingabe wird auch von der vorinstallierten Notiz-App von LG unterstützt. Einen passenden Stift liefert LG allerdings nicht mit, ein solcher muss separat erworben werden. Am, bzw. im Gehäuse findet sich auch kein passender Steckplatz.

In Sachen Akustik bietet das G Pro sowohl überdurchschnittliche Lautstärke und Qualität via Lautsprecher. Auch die Gesprächsqualität ist in Ordnung.

Fazit

Summa summarum ist das LG Optimus G Pro ein sehr leistungsfähiges Smartphone für Freunde sehr großer Displays, die kein Problem damit haben, ihr Gerät hauptsächlich zweihändig zu bedienen. Für ein als Premium- bzw. Businessprodukt vermarktetes Gerät hätte LG jedoch mehr an der Ästhetik feilen können – sowohl des Äußeren als auch an jener der Systemoberfläche mit ihren sonderbaren Eigenheiten.

Die großen Innovationen fehlen freilich, das trotz prominent herausgehobenem Quick Memo-Feature kein Stift mitgeliefert wird, ist enttäuschend. Lob verdient die Kamera, die flott auslöst und gute Bilder abliefert. Der Akku hält angenehmerweise recht lange durch

Leistungstechnisch ist das Optimus G Pro Samsungs Galaxy Note 2 voraus, wenngleich der Unterschied in der Praxis kaum spürbar sein dürfte. Allerdings kostet das Gerät im freien Handel rund 80 Euro mehr, und wird ab circa 500 Euro angeboten. Beide Phablets sind definitiv keine schlechte Wahl.

Die Markteinführung in Österreich könnte jedoch etwas zu spät erfolgt sein, wird doch bald mit der Vorstellung der dritten Note-Generation gerechnet, die dann recht schnell ihren Weg in den hiesigen Handel finden sollte. (Georg Pichler, derStandard.at, 06.09.2013)


Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Testmuster wurde dem WebStandard vom Hersteller als Leihstellung übermittel.

  • LG tritt mit dem Optimus G Pro gegen das Galaxy Note 2 von Samsung an.
    foto: derstandard.at/pichler

    LG tritt mit dem Optimus G Pro gegen das Galaxy Note 2 von Samsung an.

  • Die Rückseite wirkt trotz des "Nexus-Glitzerns" nicht besonders edel und erweist sich als stark anfällig für Staub und Fingerabdrücke.
    foto: derstandard.at/pichler

    Die Rückseite wirkt trotz des "Nexus-Glitzerns" nicht besonders edel und erweist sich als stark anfällig für Staub und Fingerabdrücke.

  • Vorbildhaft: LG bietet einen microSD-Slot an und lässt Nutzer auch den Akku tauschen.
    foto: derstandard.at/pichler

    Vorbildhaft: LG bietet einen microSD-Slot an und lässt Nutzer auch den Akku tauschen.

  • Wenig auszusetzen gibt es am Full HD-Display des Optimus G Pro.
    foto: derstandard.at/pichler

    Wenig auszusetzen gibt es am Full HD-Display des Optimus G Pro.

  • Ein nettes Feature ist Quick Memo, einen Stift liefert LG allerdings nicht mit.
    foto: derstandard.at/pichler

    Ein nettes Feature ist Quick Memo, einen Stift liefert LG allerdings nicht mit.

  • Die LG UI orientiert sich an Samsungs Touchwiz, ist aber großteils unübersichtlich und unästhetisch umgesetzt.
    foto: derstandard.at/pichler

    Die LG UI orientiert sich an Samsungs Touchwiz, ist aber großteils unübersichtlich und unästhetisch umgesetzt.

  • Testfoto: Tageslicht (bewölkter Nachmittag)
    foto: derstandard.at/pichler

    Testfoto: Tageslicht (bewölkter Nachmittag)

  • Testfoto: Nacht
    foto: derstandard.at/pichler

    Testfoto: Nacht

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