Das Österreichische Filmmuseum startet in eine Jubiläumssaison

28. August 2013, 15:09
3 Postings

50 Jahre, 20 Projekte: Auftakt mit "Carnival of Souls. Horrorfilme 1918-1966"

Wien - Das Österreichische Filmmuseum, 1964 von Experimentalfilmer Peter Kubelka gemeinsam mit Peter Konlechner gegründet und lange Zeit geleitet, eröffnet seine Jubiläumssaison am Freitag mit der großangelegten Retrospektive "Carnival of Souls. Horrorfilme 1918-1966". "Den Leinwandbildern wurde immer schon ein Nahverhältnis zu Träumen nachgesagt", heißt es in der Ankündigung zur "Carnival of Souls"-Reihe: "Im Kino des Grauens finden die Alpträume der Menschheit ihren direktesten Ausdruck." Gezeigt werden bis 17. Oktober 51 Werke, unter anderem acht traditionelle Double-Features.

"Nervenkitzel als Triebfeder, Blicklust und Angstlust" verspricht die Retrospektive, die von Fritz Freislers "Der Mandarin" (1918) über "Nosferatu" (1922) von Murnau, "Freaks" (1932) von Tod Browning und "Vampyr" (1932) von Dreyer bis hin zu Hitchcocks "Psycho" (1960), Cormans "House of Usher" (1960) und John Gillings "The Plague of the Zombies" (1966) reicht. Dazwischen finden sich mit "King Kong" (1933), den Frankenstein-Filmen (1931, 1935, 1957) und "Dracula" (1958) die klassischen Horrorgestalten und mit Jacques Tourneur, Roman Polanski oder Mario Bava einige prominente Regisseure.

Parallel wird von 27. September bis 13. Oktober der US-Filmemacher Joe Dante mit einer Filmschau gewürdigt. Dieser wurde nicht zuletzt von den großen Horrormeistern geprägt und schnitt einst etwa für Roger Corman die Trailer. In Zusammenarbeit mit dem Wiener Genre-Filmfestival /slash werden die Klassiker des von Fans "Sante Dante" genannten Regisseurs gezeigt, darunter "Piranha" (1978), "Gremlins" (1984) und "Gremlins 2: The New Batch" (1990) sowie die jüngeren, weniger erfolgreichen "Small Soldiers" (1998) und "Looney Tunes: Back in Action" (2003).

Ab 18. Oktober widmet sich das Filmmuseum dann in seiner Viennale-Retrospektive dem US-Comedy-Genie Jerry Lewis, bevor im November Marseille als "Stadt im Film" unter die Lupe genommen wird.   Aktuell gastiert das Filmmuseum beim Festival in Venedig, wo es den jüngst restaurierten Debütfilm des Thailänders Apichatpong Weerasethakul, "Mysterious Object at Noon" (2000), im Rahmen der Mostra vorstellen wird. Das Werk war ursprünglich nicht konserviert worden und daher vom Verschwinden bedroht, die Restaurierung fand in Zusammenarbeit mit Martin Scorseses World Cinema Foundation statt. Die Vorführungen in Veneidg sind für Freitag und Samstag angesetzt, Wien-Screenings soll es im Spätherbst geben.

"Vienna, A City Unveiled"

Im Laufe der Saison sind "rund 20 kleinere und größere Projekte" geplant, teilte Direktor Alexander Horwath auf Anfrage mit. So sollen etwa mit privaten Filmpatenschaften zwischen Jänner und Dezember des kommenden Jahres 50 Neuerwerbungen für die Sammlung ermöglicht werden, ein eigener Film zur Zukunft des Kinos (Arbeitstitel: "Cinema Futures") von Michael Palm entstehen und mehrere Publikationen das halbe Jahrhundert des Hauses beleuchten. 

Aufsehen erregen wird aber nicht zuletzt eine gemeinsame Retrospektive mit dem Museum of Modern Arts (MoMA) in New York. Unter dem Titel "Vienna, A City Unveiled" widme man sich zwischen Februar und April anlässlich des Jubiläums dem Thema "Wien als Ort des Kinos", so Horwath. Die Filmschau im MoMA spricht nicht zuletzt für den hervorragenden Ruf, den das Filmmuseum international genießt und der es auch zur ersten Adresse für Cinephile und Cineasten in Wien gemacht hat. US-Regisseur Martin Scorsese, der sich seit langer Zeit für das filmische Erbe stark macht, steht dem Haus seit einigen Jahren als Ehrenpräsident vor, und angesehene Filmhistoriker wie Paolo Cherchi Usai zollten dem Filmmuseum bereits mehrfach Respekt.

Das Jubiläum wird zudem mit einer Filmreihe im Sommer auf ORF III und einem "Fest für Peter Kubelka" zu dessen 80. Geburtstag Ende März begangen. Kubelka wird u.a. mit Filmen, Lectures, einer Performance sowie internationalen Gästen gewürdigt. Weitere Projekte zum 50er will das Filmmuseum Anfang 2014 in einer Pressekonferenz bekannt geben. (APA, 28.8.2013)

  • Eines der bluttriefendsten Werke der Retrospektive, zugleich eine amüsante Satire auf die (auch als Musical verfilmte) Legende von Brigadoon, die wiederum auf der deutsch-romantischen Erzählung "Germelshausen" basiert: "Two Thousand Maniacs!" von Herschell Gordon Lewis führte 1964 in ein Südstaatenkaff, das hundert Jahre später Rache für den US-Bürgerkrieg nehmen will.
    foto: österreichisches filmmuseum

    Eines der bluttriefendsten Werke der Retrospektive, zugleich eine amüsante Satire auf die (auch als Musical verfilmte) Legende von Brigadoon, die wiederum auf der deutsch-romantischen Erzählung "Germelshausen" basiert: "Two Thousand Maniacs!" von Herschell Gordon Lewis führte 1964 in ein Südstaatenkaff, das hundert Jahre später Rache für den US-Bürgerkrieg nehmen will.

Share if you care.