Red-Bull-Erpresser vor Gericht: "Denen tut's nicht weh"

28. August 2013, 17:20
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Mit einem milden Urteil endete der Prozess gegen einen 47-Jährigen, der 3,6 Millionen Euro von Red Bull erpressen wollte

Salzburg - Sein Gesicht hinter einem grünen Aktenordner versteckt, betrat Alfred L. am Mittwoch den Schwurgerichtssaal des Salzburger Landesgerichts. Der 47-jährige Vösendorfer drohte Red Bull Anfang des Jahres, Getränkedosen mit Fäkalkeimen und Hepatitisviren zu kontaminieren, würde der Konzern nicht 3,6 Millionen Euro zahlen.

Der dreifache Familienvater bekannte sich der schweren Erpressung für schuldig. Die Geschäfte mit seinem Jeansversandhandel seien zuletzt schlecht gelaufen, er habe seit 15 Jahren ein schweres Alkoholproblem (" drei bis fünf Flaschen Wein pro Tag") und 8000 Euro Schulden. "Ich hatte wahnsinnige Panik bekommen um die Zukunft meiner Kinder", erklärte Alfred L. dem Vorsitzenden des Schöffensenats, Richter Philipp Nill. Seine brasilianische Ehefrau habe im Streit gedroht, mit den Kindern zurück nach Brasilien zu gehen, deshalb hatte er im Rausch die Idee durch Erpressung an Geld zu kommen.

Für Red Bull entschied sich Alfred L., weil er in der Zeitung gelesen habe, dass Red-Bull-Eigentümer Dietrich Mateschitz ein Milliardenvermögen hat, "da hab ich mir gedacht, denen tut's nicht weh". Es sei aber nichts Persönliches gewesen, betonte Alfred L., "ich find das toll, was Herr Mateschitz geleistet hat".

"GN" auf der Website

Um eine international agierende Organisation vorzutäuschen, verfasste der Angeklagte das erste Erpresserschreiben in Englisch und unterzeichnete mit "GrupoNymos". In dem Schreiben drohte er an den Öffnungen der Red-Bull-Dosen Keime anzubringen, die aus der Hepatitisstation einer Klinik stammen. Gefordert wurden 3,6 Millionen Euro. Zudem sollte das Unternehmen als Zeichen für die Zahlungsbereitschaft auf ihrer Homepage ein "GN" für "GrupoNymos" anbringen.

"Weil sich Red Bull nicht gemeldet hat, habe ich immer schärfere Formulierungen gewählt", erklärte Alfred L. seine Vorgehensweise. Er behauptete, die Gruppierung sei in der Lage, einige Hundert Dosen zu kontaminieren und drohte sogar, Energydrinks mit ätzender Säure zu versetzten.

"Ein gewisses CSI-Wissen spielt da mit"

Erst als er konkrete Filialen nannte, in denen Dosen kontaminiert würden, habe sich der Konzern gemeldet. Die Vermittler des Konzerns boten schließlich 600.000 Euro, die Alfred L. in betrunkenem Zustand aber ablehnte. Am 10. April erfolgte die spektakuläre Geldübergabe in Wien, bei der der 47-Jährige schlussendlich festgenommen wurde. Die Ideen für den Ablauf der Übergabe hätte er von einer Tatort-Folge, erklärte er. Auch sein Verteidiger Christoph Hirsch betonte, es handle sich nicht um eine kriminelle Energie, sondern "ein gewisses CSI-Wissen spielt da mit".

Red Bull war übrigens nicht das einzige Unternehmen, das Alfred L. erpresste: Auch dem Tiernahrungserzeuger Mars Austria drohte er im März mit der Vergiftung von Tierfutter und forderte 250.000 Euro.

Mit drei Jahren Haft, davon zwei bedingt, und einer verordneten Alkoholtherapie fiel das nicht rechtskräftige Urteil milde aus. Die bereits abgesessenen fünf Monate U-Haft werden ihm zudem angerechnet. (Stefanie Ruep, DER STANDARD, 28.8.2013)

  • Alfred L. drohte Red Bull, Dosen mit Fäkalkeimen zu kontaminieren.
    foto: apa/neumayr/mmv

    Alfred L. drohte Red Bull, Dosen mit Fäkalkeimen zu kontaminieren.

  • Drei Jahre teilbedingt, urteilte der Schöffensenat.
    foto: fischer/der standard

    Drei Jahre teilbedingt, urteilte der Schöffensenat.

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