Sport: Kinderchirurgen warnen vor Überlastungsschäden

28. August 2013, 09:40
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Besonders in der Wachstumsphase kann Überlastung durch Sport dauerhafte Folgen haben, warnt die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie

Karlsruhe - Brüche, Zerrungen und Prellungen sind bei Kindern und Jugendlichen häufige Folge von zu intensiven Sportaktivitäten. Aber auch bleibende Schäden wie verformte Füße, Schultern und Gelenke, Wachstumsstörungen oder Wirbelgleiten gehen auf das Konto übermäßiger körperlicher Betätigung. "Gerade in der Pubertät macht der Körper einen erneuten deutlichen Wachstumsschub. - In dieser Phase reagiert das Gewebe besonders empfindlich auf übermäßige Belastung", erläutert Peter Schmittenbecher, Direktor der Kinderchirurgischen Klinik am Klinikum Karlsruhe. Demnach solle beim Sport auf ausreichende Ruhe- und Erholungszeiten geachtet werden, so der Experte.

Besonders die Wachstumsfugen und die noch im Wachstum befindlichen unausgereiften Knochen, Gelenke und Sehnen sind nach Meinung des Mediziners gefährdet. Sind die Beanspruchungen zu hoch, führe das zu vielen kleinen, für das Auge nicht sichtbaren Verletzungen - sogenannten mikrotraumatischen Überlastungsverletzungen. In der Folge drohen Brüche, chronische Sehnenentzündungen bis hin zu verformten Knochen, begleitet von anhaltenden Schmerzen. Besonders gefährdet, so Schmittenbecher, seien junge Turner, Schwimmer und Langstreckenläufer. Aber auch jede andere Sportart, die in dieser Phase im Übermaß und ohne Ausgleich betrieben werde, berge dieses Risiko in sich.

Zu viel Ehrgeiz schadet

"Sport im Kindesalter ist für eine gesunde Entwicklung unverzichtbar", ist Schmittenbecher überzeugt. Allerdings kommt es auf das richtige Maß an: "Kein Übertraining für Kinder bis zum Abschluss der pubertären Wachstumsphase", fordert die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH). Zudem sei eine frühzeitige Spezialisierung auf eine Sportart zu vermeiden. "Wichtig ist ein altersgerechter, abwechslungsreicher Trainingsaufbau mit ausreichend Aufwärm- und Ruhezeiten", meint Schmittenbecher.

Mindestens zwei Ruhetage pro Woche und höchstens drei bis vier Stunden Training pro Tag, empfiehlt der Experte. Aber auch das Umfeld müsse passen: Kinder sollten mit qualitativ hochwertigen und passenden Turnschuhen sowie - falls nötig - mit Gelenkschutz und Helm ausgerüstet sein. Außerdem sollten sie auf orthopädisch geeignetem Untergrund wie gedämpften Hallenböden trainieren. Zu viel Ehrgeiz von Seiten der Trainer und Eltern schade nur: "Die meisten Kinder sind von Natur aus nicht zum Ausnahmeathleten gemacht. Für den Versuch, dies zu erzwingen, zahlt ihr Körper einen hohen Preis", gibt Schmittenbecher zu bedenken. (red, derStandard.at, 28.8.2013)

  • "Sport im Kindesalter ist für eine gesunde Entwicklung unverzichtbar", so Peter Schmittenbecher, Direktor der Kinderchirurgischen Klinik am Klinikum Karlsruhe. Wichtig sei es aber, das richtige Maß zu finden, meint der Experte.
    foto: apa/erwin scheriau

    "Sport im Kindesalter ist für eine gesunde Entwicklung unverzichtbar", so Peter Schmittenbecher, Direktor der Kinderchirurgischen Klinik am Klinikum Karlsruhe. Wichtig sei es aber, das richtige Maß zu finden, meint der Experte.

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