Pseudokrupp: Unberechenbare Kehlkopfentzündung

26. September 2013, 17:00
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Bellender Husten, heisere Stimme - Schwere Krankheitsverläufe sind selten, jedoch nicht vorhersehbar

Der erste Pseudokrupp ist für Eltern ein dramatisches Ereignis: Das Kind wacht mitten in der Nacht mit Husten auf, der dem Bellen eines Hundes ähnelt. Das Geräusch beim Einatmen ist bedrohlich rau und krächzend, die Stimme klingt heiser, der Nachwuchs ringt nach Luft.

Der Pseudokrupp, auch als Laryngitis subglottica bezeichnet, ist eine virale Entzündung im Bereich des Kehlkopfes, unterhalb der Stimmritze. Dabei schwillt die Schleimhaut unterhalb des Larynx an, was das Atmen erschwert.

Scheinbar aus dem Nichts

Für die Eltern entwickelt sich die Symptomatik scheinbar aus dem Nichts. "Tatsächlich besteht der Virusinfekt aber meist schon seit Tagen", sagt Ernst Eber, Leiter der Klinischen Abteilung für Pädiatrische Pulmonologie und Allergologie an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Graz. Denn dem Pseudokrupp geht in der Regel meist eine diskrete Verkühlung mit Schnupfen und fallweise erhöhter Temperatur voraus.

Der Grund, warum die Erkrankung vorwiegend nachts auftritt, ist nicht restlos geklärt. "Man nimmt an, dass sich durch den hydrostatischen Druck beim Liegen die Schleimhautschwellung verstärkt", sagt Eber. Der nächtliche Zeitpunkt könnte auch mit der körpereigenen Kortisolproduktion zusammenhängen, die tagsüber vermehrt stattfindet und entzündliche Reaktionen unterdrückt. Gegen Abend sinkt der Spiegel des Stresshormons ab, und für Viren ist es leichter, einen Schub zu verursachen.

Kindliche Physiologie

Etwa jedes sechste Kind erkrankt zumindest einmal in seinem Leben an Pseudokrupp. Grund ist die kindliche Physiologie, die der Erkrankung Vorschub leistet. "Der Durchmesser des Atemwegs ist bei Kindern speziell unterhalb der Stimmbänder noch sehr klein, die Schleimhautschwellung verursacht somit rasch eine Engstelle", erklärt der Mediziner. Warum Buben häufiger als Mädchen davon betroffen sind, ist unklar.

Die Eltern spielen eine wichtige therapeutische Rolle. "Durch beruhigendes Einwirken auf das Kind kann die Atemnot und die damit assoziierte Angst effektiv gemindert werden", sagt Eber. Kalte Luft führt durch die abschwellende Wirkung ebenfalls zu einer Linderung. Von einer Befeuchtung der Atemluft durch Vernebler hält der Experte hingegen nichts: "Das ist ohne jede Evidenz. Der positive Effekt dieser Maßnahmen ist nicht gesichert, und sie können sogar eine Verschlechterung herbeiführen."

Ob das Aufstellen der Wäsche zum Trocknen im Schlafzimmer die Krankheit schneller zum Verschwinden bringt, ist ebenfalls fraglich.

Akute medikamentöse Hilfe versprechen Kortisonpräparate in Form von Tabletten oder Zäpfchen. Der Inhalation von Adrenalin, einer schleimhautabschwellenden Substanz, stehen manche Ärzte dagegen eher skeptisch gegenüber.

Unvorhersehbarer Verlauf

Treten die Symptome erstmalig auf, lohnt es sich, rasch ärztlichen Rat einzuholen, da der Verlauf der Erkrankung nicht vorhersehbar ist. "Im besten Fall kommt es spontan zu einer Besserung, im schlimmsten Fall kann Pseudokrupp aber auch lebensbedrohlich sein", so Eber. Konkret brauchen maximal ein bis fünf Prozent eine medikamentöse Therapie, noch seltener ist die Intubation eines Kindes erforderlich. Hier wird mit einem Beatmungsschlauch die Engstelle überwunden und Sauerstoff zugeführt. In diesen schwerwiegenden Fällen ist eine intensivmedizinische Betreuung unerlässlich.

Wenn ein Kind einmal einen Pseudokrupp bekommt, besteht in aller Regel die Gefahr, dass sich das Ereignis wiederholt. Die aufgeklärten Eltern bewahren deshalb Kortisonzäpfchen für den Notfall zu Hause im Kühlschrank auf. Eber empfiehlt, auch im Wiederholungsfall einen Arzt aufzusuchen: "Nur weil ein Kind zweimal leichten Pseudokrupp hatte, heißt das nicht, dass es beim dritten Mal auch leicht sein wird."

Endoskopische Abklärung

Bei gehäuftem Auftreten ist eine genauere Abklärung mittels Endoskopie angesagt. Ebenso, wenn die Krankheit ungewöhnlich lange dauert, also mehr als etwa zehn Tage. "Möglicherweise liegt eine angeborene Fehlbildung durch einen besonders engen Kehlkopf vor", sagt der Grazer Experte. Je nach Ursache kann dann konservativ oder chirurgisch vorgegangen werden. Oder aber es reicht aus, abzuwarten und darauf zu hoffen, dass sich das Problem eventuell auswächst. (Sonja Tautermann, derStandard.at, 26.9.2013)

  • Dem Pseudokrupp geht ein grippaler Infekt voraus.

    Dem Pseudokrupp geht ein grippaler Infekt voraus.

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