Bienensterben: Chemieriesen klagen gegen Pestizidverbot

27. August 2013, 14:18
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EU-Kommission beschloss, Einsatz von Nervengiften für zwei Jahre einzuschränken

Berlin - Die Chemieunternehmen Bayer und Syngenta machen Front gegen das EU-Verbot von ihnen hergestellter Pflanzenschutzmittel, die eine Gefahr für Bienen darstellen sollen. Der Schweizer Syngenta-Konzern teilte am Dienstag mit, rechtlich gegen die Entscheidung vorzugehen. Bayer erklärte auf Anfrage, bereits eine Klage eingereicht zu haben. Die EU-Kommission sieht die Umsetzung des Verbots nicht gefährdet.

Im April hatte sich eine Mehrheit der EU-Mitgliedsstaaten für das Verbot von drei Pestiziden aus der Gruppe der hochwirksamen Neonikotinoide ausgesprochen, die für das Massensterben der europäischen Bienenpopulation verantwortlich gemacht werden. Von Dezember an dürfen die Wirkstoffe Clothianidin und Imidacloprid des deutschen Bayer-Konzerns sowie Thiamethoxam von Syngenta nicht mehr für den Anbau von Mais, Sonnenblumen, Raps und Baumwolle verwendet werden. Die Sperre gilt zunächst für zwei Jahre, in denen Auswirkungen des Verbots wissenschaftlich untersucht werden sollen, bevor die Maßnahme erneut überprüft wird.

Wissenschaftlichkeit angezweifelt

Die Entscheidung der Kommission habe sich auf ein "fehlerhaftes Verfahren sowie eine ungenaue und unvollständige Prüfung" durch die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gestützt, begründete Syngenta die Entscheidung, vor einem EU-Gericht in Luxemburg gegen das Verbot vorzugehen. Ursache für das Bienensterben in Europa sei nicht Thiamethoxam, sondern "laut Experten Krankheiten, Viren, schwindender Lebensraum sowie mangelnde Nahrung". Syngenta-Chef John Atkin erklärte, "dass die EU-Kommission sich irrt, wenn sie Thiamethoxam mit der Verschlechterung der Bienengesundheit in Verbindung bringt".

Ein Vertreter der EU-Kommission teilte mit, die Entscheidung Syngentas sei zur Kenntnis genommen worden, das juristische Vorgehen werde jedoch nicht die Umsetzung des Verbots durch die Mitgliedsstaaten beeinträchtigen. "Die Kommission hat ihre Entscheidung auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse und Schlussfolgerungen von EFSA getroffen."

Viele Einflüsse für Bienensterben laut Firmen

Syngenta folgt mit dem Schritt dem deutschen Chemiegiganten Bayer. Die Pflanzenschutz- und Saatguttochter Bayer Crop Science habe bereits Mitte August Klage gegen das Verbot in Luxemburg eingereicht, sagte ein Unternehmenssprecher. Bayer Crop Science fordere Klarheit über die Verlässlichkeit rechtlicher Rahmenbedingungen: Die Wirkstoffe Imidacloprid und Clothianidin seien seit vielen Jahren auf dem Markt, sie seien umfassend geprüft und zugelassen worden.

Bayer Crop Science gehe es darum, dass das Unternehmen "im Hinblick auf künftige Investitionsentscheidungen verlässliche Rahmenbedingungen" brauche, sagte der Sprecher. Laut Pflanzenschutzrichtlinie dürften bestehende Produktzulassungen nur zurückgenommen werden, wenn es neue Fakten gebe: "Unserer Meinung nach gibt es keine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse."

Die Agrarchemie-Branche führt immer wieder an, dass für das Bienensterben in Europa nicht ihre Produkte die Ursache seien, sondern eine Vielzahl von Einflüssen wie etwa Milben und Viren. Die EU sieht das anders: Im Juli hatten sich die EU-Mitgliedsstaaten mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, auch den Einsatz des Insektizids Fipronil des deutschen Herstellers BASF weitgehend zu verbieten. EFSA hatte gewarnt, dass die Chemikalie eine akutes Gefahr für Honigbienen darstelle. Unter anderem soll die Behandlung von Mais- und Sonnenblumensamen ab dem Jahresende verboten sein. (APA, 27.8.2013)

  • Bayer und Syngenta machen Front gegen das EU-Pestizidverbot, das die Bienen schützen soll.
    foto: dpa/frank rumpenhorst

    Bayer und Syngenta machen Front gegen das EU-Pestizidverbot, das die Bienen schützen soll.

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