Schulden zahlen: Staat braucht am längsten

27. August 2013, 17:51
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Firmen sind beim Eintreiben der Rückstände zurückhaltend. Würde der Staat schneller zahlen, wäre die Pleitenanfälligkeit geringer

Staat als säumiger Zahler Öffentliche Hand hält neue EU-Vorgaben nicht ein

Wien - Die Vorarlberger und Tiroler sind die zuverlässigsten. Zumindest was das Bezahlen offener Rechnungen angeht. Hierbei nicht säumig zu sein entspreche einer gewissen Ethik im Ländle und vermittle Bonität wie Seriosität, sagt Johannes Eibl, der Chef des Forderungsmanagements des KSV1870. Ganz anders handhabe dies Ostösterreich, wo sich Länder und Gemeinden im Schnitt gut und gern zwölf Tage länger mit dem Begleichen ihrer Schulden Zeit lassen.

Bei Privatkunden muss man bei Kärntnern und Steirern am längsten auf sein Geld warten. Bei den Unternehmern sind neben Kärntnern die Burgenländer die im Ländervergleich langsamsten Zahler.

Zehn Tage nach

Alle Jahre wieder klopft der Kreditschutzverband auf Basis einer Befragung von 2500 Betrieben die Österreicher auf ihre Zahlungsmoral ab. Und sie schneiden dabei nicht schlecht ab. Im internationalen Vergleich haben nur die Briten, Dänen und Deutschen kürzere Zahlungsziele. Am anderen Ende der Fahnenstange rangieren die Griechen und Spanier mit Zahlungsfristen von knapp 60 Tagen.

25 Tage sind es hierzulande. 74 Prozent aller Firmenkunden zahlen ihre Rechnungen nach wie vor pünktlich. Auch wenn sich ihre Geschäftslage stetig eintrübt: Nur noch knapp 30 Prozent berichten über steigende Umsätze, erhob der KSV. Ein Jahr zuvor waren es noch 39 Prozent. Ein Fünftel spürt Einbußen, merklich mehr als zuletzt.

Auf die Zahlungsgewohnheiten wirkt sich das nicht aus. Betriebe begleichen ihre Außenstände im Schnitt unverändert nach 31 Tagen, Private schon nach 18 Tagen. Nur die öffentliche Hand braucht zehn Tage länger, was zwar eine leichte Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr ist, sagt Eibl, "aber immer noch kein Grund zum Jubeln". Zumal die EU seit März mit 30 Tagen kürzere Zahlungsziele vorgibt. Dass der Staat als zentraler Auftraggeber Mitschuld an der Alpine-Pleite haben soll, das greift für den KSV dann doch zu weit.

Vorsätzlich und vergesslich

65 Prozent der Befragten führen den Zahlungsverzug auf akute Liquiditätsengpässe der Kunden zurück. 45 Prozent glauben, dass die Rechnungen vorsätzlich nicht beglichen werden, annähernd so viele geben der ineffizienten Verwaltung ihrer Geschäftspartner die Schuld. Vergesslichkeit überwiegen und zunehmen sehen sie bei ihren Privatkunden.

Nachtelefonieren, ein Erinnerungsschreiben, eine letzte Mahnung seien sinnvoll. Dann jedoch sollte bei säumigen Kunden nicht länger Geduld geübt werden, sagt Eibl. 56 Prozent überlassen das Geldeintreiben Inkassobüros. 37 Prozent schalten Anwälte ein, und gut ein Viertel besucht den nachlässigen Kunden persönlich.

Besser als ihr Ruf ist die Bauwirtschaft. Im Schnitt ist die Branche nur fünf Tage im Verzug. Die Wirte gelten als ebenso schlechte Zahler; tatsächlich sind sie meist nur zehn Tage säumig - bei kurzen Zahlungszielen von 19 Tagen. Überdurchschnittlich lang wartet die Modebranche aufs Geld, was an großzügigen Fristen von 42 Tagen liegt. 2012 gingen insgesamt zwei Prozent des Umsatzes durch offene Forderungen flöten. (vk, DER STANDARD, 28.8.2013)

  • Grundsätzlich hat die Krise nicht auf die Zahlungsmoral geschlagen. Private begleichen ihre Schulden am schnellsten.
 

    Grundsätzlich hat die Krise nicht auf die Zahlungsmoral geschlagen. Private begleichen ihre Schulden am schnellsten.

     

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    grafik: apa
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